Als Helfer in Bernau

Ich bin nicht religiös und dank Richard Dawkins (und im speziellem seinem Buch „Der Gotteswahn“) bin ich sogar ein sehr überzeugter Atheist. Und wenn ich auch nur ein halbes Leben mehr Zeit hätte, würde ich mich sehr gern in einer ‚aufklärerischen‘ Bewegung wie bei den http://de.wikipedia.org/wiki/Brights zu engagieren. Da ich die Zeit aber nicht habe, reicht es nur für ein paar kurze Worte im Hausblog 🙂

Ich komme darauf, weil ich eigentlich darüber schreiben wollte, was ich am Wochenende so getrieben habe. Ich habe bei den 24-h-von-Bernau geholfen und obwohl ich seit ca. 5 Jahren sehr viel laufe (und auch ab und zu schon mal Helfer war), war dies der erste ‚große‘ Helferdienst, den ich bisher absolviert habe. Viele haben mich gefragt, warum ich denn nicht mitlaufe und die einfachste und zutreffendste Antwort ist: Ich mag die Strecke nicht! Die Veranstaltung ist wunderbar, die Organisation nahezu perfekt – aber der Stadtpark von Bernau zermanscht mir einfach jedes mal die Knochen – und ich bewundere jeden, der sich das antut.

So hatte ich also Gelegenheit auch mal auf der anderen Seite zu stehen (oder besser gesagt: überhaupt mal beim Lauf zu stehen) und ich muss sagen, dass es wunderbar war! Es war zwar sehr anstrengend (viel härter, als ich gedacht hätte), weil ich zum einen buchstäblich zwei mal 8 Stunden ‚auf den Beinen war‘ und weil zum andern wirklich an den Stellen, wo ich war, die Arbeit im Akkord-Betrieb verrichtet werden musste (erst Einzelläufer-VP mit den 6-h- und 24-h-Läufern, am Morgen dann noch mal die Staffeln).  Es war aber auch wunderbar, denn ich habe gemerkt, wie viel Dankbarkeit ich zurückbekomme. Ich konnte erleben, wie viele der 24er ihre persönlichen Krisen während des Laufs überwunden hatten und am Morgen – nach einer schwierigen Nacht – wieder strahlten und rannten. Ich konnte kleine Dramen (5 km fehlten zum eigenen Ziel) und große Erfolge (und dennoch persönlicher Rekord) miterleben – und das bei ein und derselben Person.

Kurz, und deshalb auch die (vielleicht) etwas pathetische Einleitung: Ich habe viel mehr zurückbekommen, als ich gegeben habe. Und genau das ist es, worauf ich mit diesem Blog-Artikel hinaus möchte: Wenn man aus vollem Herzen gibt, dann kann man gar nicht genug geben. Es kommt zu einem zurück, doppelt und dreifach: Manchmal sofort und schnell, wie bei mir in Bernau – und manchmal erst nach Jahren oder Jahrzehnten.
Aber ich möchte nicht geben, weil ich eine solche moralische, gesellschaftliche oder soziale ‚Belohnung‘ (den Dank der Läufer, das Strahlen bei den Staffelläufern, wenn sie ihre Runde geschafft haben, die Gesangseinlage von Allegro – die eigentlich schon einen Extra-Blogeintrag wert ist – und so vieles mehr….) erwarte, sondern ich möchte „geben, wie ein Kind, dass einem Hündchen Wasser gibt. Einfach, weil es sich freut, dem anderen etwas gutes tun zu können.“ (frei nach Marshall B. Rosenberg aus seinem Vortrag „The basic of non violant communication“).

Und für dieses Dogma brauche ich keine Religion. 

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