Ja, ich war Dortmund-Fan

Es war ein wunderbares, irgendwie so vollkommen passendes Wochenende, dass ich mit Elisa und Sebastian verbracht habe. Insofern hat sich die Vorfreude von 15 Jahren darauf durchaus gelohnt (wenn sie sich nicht schon an und für sich gelohnt hat) und auch wenn ich keine Vorstellung hatte, wie es wohl werden würde, wurde es doch irgendwie genau so.

Den ersten Abend haben wir nur geschwatzt. Natürlich mussten wir erst mal auf die Schwangerschaft von Elisa anstoßen – man wird ja nicht alle Tage Eltern – und dann mussten wir noch mal anstoßen und ich glaube, wir haben dem Kindchen (und uns) auch noch ein drittes Anstoßen gegönnt – sicher ist sicher 🙂
Das Schöne an solchen Gesprächen mit richtig guten Freunden ist, dass man sich nicht mit Smalltalk aufhält. Irgendwie wirkt es immer so, als ob man sich letzte Woche erst gesehen hat und jetzt einfach die Neuigkeiten austauscht. Es ist kein Abtasten, sondern einfach ein vertrautes, angenehmes Verhältnis. Beim Schwatzen kam unter anderem heraus, dass die beiden – neben der Schwangerschaft – dieses Jahr noch andere große Pläne haben. So will sich Sebastian beruflich wieder näher an Bocholt orientieren (zur Zeit ist er in Gelsenkirchen – eigentlich ein Unding für einen Borussen-Fan :-)) und die beiden schauen sich – auf Grund des neuen Familienmitglieds – auch schon vorsichtig nach Immobilien um. Ich glaube wirklich, dass sie sesshaft werden könnten.
So verging jedenfalls mit Gott und der Welt der Abend und noch bevor ich richtig müde wurde – ich wundere mich ja selbst – war es kurz vor zwei Uhr und wir mussten wirklich mal schlafen gehen. Denn am nächsten Tag hatten wir ja auch ein volles Programm vor uns.

Nach einem ausgedehnten Frühstück (> 1 h, so wie es sich gehört) mussten wir schnell erst mal Laufschuhe kaufen. Denn ich hatte zwar an meine Laufsachen gedacht, aber dass man dafür Schuhe benötigt, habe ich wohl irgendwie übersehen. Bei real,- haben wir aber auch ganz günstige bekommen und so ging es mit nagelneuen Tretern (ich brauchte sowieso mal wieder welche) auf eine Runde durch Bocholt und um den Aasee. Nach ungefähr 9 Kilometern waren wir wieder zu Hause – geschafft, aber zufrieden. Dann hieß es auch schon: Duschen, Umziehen und ab zum Bus.

Dieser sollte uns – und ungefähr 60 andere Borussen-Fans – nach Dortmund bringen und allein schon die Kneipe, in der sich die Mitfahrer versammelt hatten, war ein Anblick für sich. Das ganze Lokal gefüllt mit schwadronierenden, vorfreudigen und entspannten Borussen-Fans, von überall strahlte Schwarz-Gelb entgegen und die ganze Szenerie strahlte die reinste Samstags-Nachmittags-Gemütlichkeit aus. Wir holten unsere Eintrittskarten ab, halfen die Bierkästen in den Bus zu verladen (offenbar ein wichtiges Utensil) und machten uns auf nach Dortmund.
Die Busfahrt war lustig – u.a. weil nebenbei auch Schalke spielte und jeder Treffer und Gegentreffer entsprechend kommentiert wurde – und kam mir sehr kurz vor, obwohl es doch über eine Stunde bis zum Stadion ist. Dort war auch schon der Teufel los, denn obwohl der Anstoß erst in 2 Stunden erfolgen sollte, waren sowohl die Dortmunder als auch die Frankfurter Fans in Scharen angerückt. Die Polizei war auch kräftig vertreten, ich habe aber nicht gesehen, dass sie irgendwo einschreiten musste. Dadurch, dass beide Teams zur Zeit recht gut in der Tabelle stehen und auch das Spiel letztendlich wenig Raum für Zweifel und Streit bot, lief alles recht friedlich ab.
Sebastian hatte mich aus – ja: Schutzgründen – vorsichtshalber mit einem Dortmunder Fan-Satz ausgestattet (Schal und Trikot) und ich muss sagen, dass es mir so auch lieber war: Schließlich fuhr ich mit den ‚Dortmundern‘ im Bus, trank mit ihnen, stand mit in der Kurve und konnte mich so – als Borusse für einen Tag – auch gehörig mit ihnen freuen. Und so nahm ich mein Fan-Dasein für die paar Stunden gern an. Auch wenn mich – auf Grund der Vergangenheit als Eintracht-Fan – doch ein bisschen das schlechte Gewissen plagte. Also: Wes´ Brot ich fress, des´Lied ich sing 😉

Apropos Lied singen: Das ging natürlich gewaltig los im Stadion! Wir standen in der Südkurve – der „schwarz-gelben Wand“ wie sie auch genannt wird – und mussten dementsprechend natürlich auch bei jedem Fangesang und bei jeder Anfeuerung einstimmen. Ich war nicht ganz so textsicher, machte mir aber nix aus. Da Dortmund auch gleich in den ersten 10 Minuten mit 2:0 in Führung ging – später sollte es 3:0 ausgehen -, war die Stimmung auch super und wir haben insgesamt ein ziemliches Fußballfest gefeiert.

Tja, das war´s eigentlich schon. Die Rückfahrt wurde merklich stiller – alle waren k.o. vom Spiel – und zurück bleiben wie immer schöne Bilder in der Erinnerung, die Gesänge im Ohr, neue Bekanntschaften (Benny und Rita) und, ja, auch eine kleine Zuneigung zu diesem schwarz-gelben Klub aus dem Ruhrgebiet. Es war wie ein Eintauchen in eine ganz eigene Welt – wo eigene und einfache Regeln herrschen. Wo gut und böse noch allein anhand der Trikotfarbe unterschieden werden kann. Und wo zusammen gewonnen und verloren wird und es für ein paar Stunden nichts Wichtigeres gibt als Fußball. Eine fremde, schöne und etwas absurde Welt…

Und die nächste Verabredung steht auch schon: Am 30. Spieltag 2028 im Signal-Iduna-Park in Dortmund 🙂

Sebastian, Elisa, Emma und ich am Spielfeld

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s