Die Grenzen der Religion

Vor ein paar Tagen gab es ein Aufsehen erregendes Urlaub über das, was Religionen – oder besser gesagt: einigen Religionen – in Deutschland erlaubt sein soll und was nicht. Das OLG Köln hat geurteilt, dass die Beschneidung von Jungen – wie sie im Judentum und Islam gemäß der religiösen Tradition üblich sind – Körperverletzung ist. Und: Natürlich ist sie das! Die Frage kann sich ja gar nicht stellen, ob der Körper des Kindes – eines kleinen Jungen – bei diesem Eingriff verletzt wird. Ihm wird immerhin die Vorhaut abgeschnitten und die ist ja nun mal in der Nähe der empfindlichsten Stelle des Kindes. Die Frage, die sich stellt, ist, ob eine solche Körperverletzung erlaubt und zulässig ist.

Die Vertreter der Religionen berufen sich auf die Tradition. "Das haben wir schon seit tausend Jahren gemacht" – also bleiben wir auch dabei. "Das war schon immer so!" und "Da könnte ja jeder kommen!" sind wahrscheinlich die beiden Sätze, bei denen jeder vernünftig denkende Mensch sofort aufspringen muss und rufen muss: "Halt!" Was sind das denn für Argumente, die gelten, weil etwas "schon immer so" gemacht wurde. Es kann ja auch "schon immer so" falsch gemacht worden sein. Und wie Nietzsche schon bemerkte: "Wahnsinn bei Individuen ist selten, aber in Gruppen, Nationen und Epochen die Regel."
Ich verstehe, dass Religionsgemeinschaften – wie alle anderen Gemeinschaften – gemeinsame Zeichen brauchen und Erkennungsmerkmale, aber warum gerade das Abtrennen eines Hautfetzens dazu gehört, das ist mir schleierhaft.

Aber das Urteil zeigt auch, dass Religionen so langsam ihre Sonderstellung wieder verlieren. Über Jahrtausende haben sie das Denken und Handeln der Menschen dominiert – ganz einfach, weil sie die einzigen Erklärung für diese scheinbar so unerklärliche Welt waren. Nur einige Wissenschaftler und Forscher stemmten sich mutig dagegen, wurden oft nur auf Grund der Wahrheitssuche verfolgt, gefoltert und getötet – das scheint nun dem Ende zu zuzugehen. Und ich hoffe noch und glaube immer noch daran, dass das 21. Jahrhundert ein Jahrhundert der Aufklärung und des Verstandes werden kann. Ein Jahrhundert, in dem Religionen noch nette Geschichten abgeben – aber mehr auch nicht.

Hoffnungsfroh grüßt

Stefan

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s