Baltisches Gerenne – Letzter Tag

Der fünfte Tag bei Baltic-Run ist immer so etwas wie der Abschlusstag bei der Tour de France: Es wird nicht mehr unbedingt um die Platzierungen gekämpft, man freut sich, dass man es (fast) hinter sich hat und wenn wir Glück haben, gibt es sogar einen Sekt. Um den Sekt habe ich mich diesmal mit Christa gekümmert, sodass wir an VP 4, auf der Promenade in Bansin, wieder das Ende des Zeitlimits mit Korkenknallen feiern konnten.

Bis dahin waren es allerdings noch 31 Kilometer mit Zeitlimit und gerade die erste Hälfte davon fiel mir unheimlich schwer. Es kann durchaus daran gelegen haben, dass ich mit Sascha noch als letztes bei Frau Natzke saß und beim Bier über’s Laufen und die Welt philosophiert habe (gegen dreiviertel zwölf kam ich dann in die dunkle Halle – draußen arbeiteten aber noch Jörg und Lutz an den Laptops) – aber wie es auch sei! Ich kam schwer in die Gänge.
Zum Glück war der erste VP von Ronja und Ecky besetzt, die immer ein aufmunterndes Wort übrig haben und so ging es ab da schon ein bisschen leichter auf der Strecke. Als ich dann noch nach 17 Kilometern (als René, der ja 1 Stunde später gestartet war, an mir vorbeizischte) das Tempo ein wenig anzog, wurde es gleich viel angenehmer. Die trüben Gedanken ("Was bin ich kaputt!") verschwanden, der Wind wehte mir ins Gesicht und die wunderschöne Landschaft (u. a. ein gepflegter Golfplatz) zogen an mir vorbei. Die Beine liefen wie von allein und heute brauchte ich ihnen nicht zu sagen, dass sie sachte machen sollten, denn schließlich lag ja am Freitag keine Etappe mehr vor uns.
So flog ich (für meine Verhältnisse ;-)) auch bei Elisa und NIck an VP 3 vorbei und stürmte in Richtung Ahlbeck. Ich freute mich schon auf die Touristen und ihre Blicke (eine Mischung aus Erstaunen, Bewunderung, Unglauben und – bei meinem rosa Trikot – ein bisschen Ekel) und natürlich auf die Ostsee! Noch flinke 2 Kilometer durch den Wald, einen kleinen Kilometer durch den Ort und dann war die Promenade und das Meer endlich da! Das Ziel war fast erreicht und ich hatte einigen Vorsprung auf das Zeitlimit. Zum VP waren es noch ungefähr 5 Kilometer, als Christian und Sascha (ebenfalls aus der spät-startenden schnellen Gruppe) auf mich aufliefen und ich dachte, ich könnte die beiden ja bis Christa begleiten. Das Begleiten ist allerdings bei einem Kilometerschnitt zwischen 5:15 und 5:30 Minuten nicht so einfach, wie ich feststellen musste. Als der Kilometer 30 ran war, zeigte meine Auto-Runde auf dem Garmin eine Zeit von 27:38 Minuten für die letzten 5 Kilometer – sonst brauchte ich immer ungefähr 10 Minuten mehr!
Aber schön war es! Wir flitzten durch die Touristen, wie Fische im Wasser und obwohl sich die Promenade scheinbar endlos hinzog (immer wieder dachte ich, ich kann den VP schon sehen), haben wir es dennoch geschafft. Und ich konnte sogar Saschas Verlockungen in Form von Wernesgrüner und Lübzer widerstehen – denn schließlich wollte ich das Zeitlimit endgültig hinter mir lassen. Völlig ausgepumpt (ich zumindest – Sascha und Christian sahen noch recht frisch aus), kamen wir dann bei Christa, Sylvia und Sarah an und feierten das gelungene Ende. Ab hier könnten wir rückwärts gehen und wären noch rechtzeitig ins Ziel gekommen. Aber ich hatte dennoch den Ehrgeiz, nicht letzter zu werden – nicht aus persönlichem Stolz (das macht mir nichts aus!), sondern damit die Helfer nicht wegen mir länger machen mussten.

Auf der Strecke nach Karlshagen holte ich dann noch die Ultramöhre (Norbert Möhr, den ich am Dienstag beim Trainingslauf zufällig in Berlin getroffen habe) und seine Begleitung Bärbel ein. Bärbel absolvierte (glänzend) ihren ersten Ultramarathon und Norbert wollte sie – falls nötig – antreiben. Letztendlich wurde es eher anders herum, aber die Hauptsache ist, dass die beiden gut im Ziel angekommen sind.
Am Kölpinsee (kurz vor VP 6) gab es noch ein traditionelles Pre-Finisher (diesmal mit Gottfried, der zufällig in der Nähe war). Danach ging es es dann wieder zügigeren Schrittes gen Ziel, denn es waren ja nur noch 16 Kilometer und diese waren mit 2 VP’s auch noch besonders gut bestückt. Beim letzten VP (an der Therme von Zinnowitz, die ich sehr empfehlen kann) war ich dann allerdings schon so euphorisch und sehnsüchtig nach dem Ziel, dass ich an Wolfgang einfach mit kurzem Gruß vorbei gelaufen bin. Noch hinter der Düne über die sandigen letzten 7 Kilometer und dann…..

Ja dann war der Baltic Run auch schon wieder geschafft und ein bisschen Wehmut kam auf, weil die schöne Zeit so viel zu schnell vergangen ist. Aber wir alle nehmen wunderschöne Erlebnisse und Eindrücke mit nach Hause und haben wieder nette Menschen neu oder besser kennengelernt. Und wenn man den Gerüchten glauben darf, macht Jörg ja nur eine organisatorische Pause….. Vielleicht gibt es also in den nächsten Jahren wieder eine ähnliche Veranstaltung; mich würde es auf jeden Fall freuen und ich bin sicher, da bin ich nicht der einzige.

Ein Riesendank geht noch mal an Jörg und sein Team, die mit so vielen Stunden persönlichem Einsatz unser betreutes Hobby erst möglich gemacht haben. Ihr ward großartig!!!

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4 Antworten to “Baltisches Gerenne – Letzter Tag”

  1. Laufmauselke Says:

    Danke lieber Stefan auch für diesen abschließenden Bericht und für’s Mitnehmen auf die Strecke. Ich bin dort vor kurzem noch in meinem Urlaub geradelt und ein wenig delaufen. Es ist eine anstrengende Strecke auf Usedom, aber auch eine sehr schöne. Ihr habt meinen vollsten Respekt.
    Nun wünsche ich Dir eine schnelle Erholung.
    Liebe Grüße
    Elke

  2. Christian Says:

    Lieber Stefan, es war so schön, Dich jeden Tag auf der Strecke zu überholen und mit Dir unser geliebtes Heimatlied („…Steige hoch Du roter Adler…“) zu singen, Du hast so schön von weitem geleuchtet.
    Und dann der Weg auf der Promenade, ich hätte nie gedacht, dass Du so rennen kannst…. und mich auch noch auf dem Weg zu Christa abziehst. Eigentlich hätten wir auf dem Weg noch gemeinsam Lieder singen müssen, das hätte die Touris sicher gefreut.
    Erhole Dich gut & ich freue mich auf unserem nächsten gemeinsamen Lauf…
    Liebe Grüße
    Christian

  3. Hoppelchen Says:

    Lieber lieber Stefan, das hast du alles sooooo schön geschrieben. Kannst du nicht auch hier noch eine Zusammenfassung für die UM machen? Du bist echt der beste Stefan den ich kenne.

  4. 99woerter Says:

    Mensch Hoppelchen, da werde ich ja rot… 🙂
    Ich kann auch gern einen Bericht für die UM schreiben, der die ganze Hitze und Freude zusammenfasst. Ich bräuchte bloß noch ein Wortvorgabe (Anzahl)…..

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