Tagebuch einer Pilgerreise – Teil 4

Im Anschluss kamen die Wegmarken und Labestationen öfters – schließlich mussten vier Erfrischungspunkte auf unserem Weg gen Canterbury angelaufen werden und so kamen wir schon nach jeweils weniger als 5 Meilen an der nächsten Station an. Das hob natürlich ordentlich die Motivation und so liefen die Beine wie von alleine – auch wenn es nach ca. 20 Meilen mal sehr steil nach oben ging. Zunächst hoppsten wir auf Steinen (den sog. ‚Stepping Stones‘) über einen Fluß – der ziemlich kühl aussah – und anschließend ging es steep steps nach oben. Für die Aussicht hat es sich gelohnt, aber anstrengend war es dennoch. Aber wir kamen uns dabei auch vor wie echte Pilger, auf ihrem mühsamen Weg durch die englische Landschaft.

Das einzige, was uns nun noch fehlte, war ein geöffneter Pub, denn schließlich wollten wir ja nicht ohne Pre-Finisher-Bier ins Ziel kommen. Der Herr erhörte jedoch die Bitten zweier armer Pilger und setzte uns das „Feathers“ direkt vor die Nase – eine Lokalität ca. 1 Meile vor dem Ziel, wo es sich durchaus aushielten ließ. Vor allem die Wärme innen drinnen genossen wir, denn die Minusgrade draußen waren trotz der Bewegung, die wir vollführten, nicht das angenehmste. Und nach mehr als 50 Kilometern hatten wir uns wohl auch ein Ale verdient. Da wir auf jeden Fall das englische Bier kosten wollten, gönnten wir uns ein ‚Carling‘ – aber sehr weiterempfehlen können wir es nicht. Gut, wenn man ausgedürstet von der Wanderschaft ein kühles Carling bekommt, dann ja, aber im Normalfall würde ich eher zu leckereren Bieren raten. Die uns am Sonntag auch noch erwarten sollten 🙂

Da auch noch Rugby im Fernsehen lief (Wales gegen Irland, glaube ich), ließen wir es ganz gemütlich im Pub angehen und erst als drei Mitläufer reinkamen und fragten, ob wir auch schon im Ziel seien, da dachten wir uns, dass es Zeit wird, aufzubrechen. Wir haben es dann aber wirklich noch gut und pünktlich geschafft und waren bei weitem nicht die letzten, die reinkamen. Zudem hatten wir noch Glück, denn wären wir nur ein paar Minuten später ins Ziel gekommen, hätten wir am nächsten Tag schon um 7 Uhr(!) starten müssen, statt wie die allermeisten erst gemütlich um 8 Uhr.

In der Turnhalle bekam ich vom Chef Neil dann noch einen Schlafsack geliehen (meine größte Sorge: Ich hatte meinen zu Hause vergessen und hatte schon Befürchtungen, dass ich in der Nacht erbärmlich frieren würde) und wir bekamen ein Abendessen, dass von den Portionen einem Ultralauf mehr als angemessen war. Wenn es auch eher durchschnittliche Kost war (die Engländer sind ja nicht so berühmt für ihre Küche) – so war es doch mehr als ausreichend! Und zum Abschluss des Tages schauten wir uns noch gemütlich mit den anderen auf der Leinwand Rugby an (Schottland gegen England – wobei England knapp gewonnen hat), bevor ich mich schon vor 20 Uhr auf die Matratze legte. Es war halt ein harter Tag 😉

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