Kleiner Einschub – Gedanken am Kamin

Lebensfreude hat kaum etwas mit materiellem Wohlstand zu tun. Diese schlichte, aber eminent wichtige Einsicht ist wohl vielen bekannt, aber wie viele der Menschen um uns herum halten sich daran. Wobei ich das ‚um uns herum‘ örtlich meine, also in Berlin, in Deutschland, in Westeuropa. Es gehört so wenig zum Glücklichsein und dennoch sieht man in der S-Bahn jeden Morgen so viele Menschen, die schauen, als ob sie ihr Leben schon hinter sich hätten. Als ob es direkt ins Altersheim oder ins Hospiz geht. ‚Schaut euch doch um!‘ möchte ich ihnen zurufen. ‚Seht euch um, wie schön die Welt ist! Wie lustig die Sonne sich in der Scheibe bricht, wie der Staub tanzt und die Moleküle fliegen. Es ist nicht alles grau, stumpf und abgelebt, wie ihr glaubt. Wenn ihr denn überhaupt noch glaubt.‘

Viele scheinen das Glaube – an sich, an die andere, an die Welt – verloren zu haben. Viele scheinen den Kinderschuhen endgültig entwachsen und können sich nicht mehr wundern. Nicht mehr darüber, wie die Sonne am Himmel steht, oder wie wir mit 60 Sachen durch die Stadt fahren oder wie es in einem einzigen S-Bahn-Waggon stinken kann. Wer verlernt, zu staunen und sich zu wundern, der verlernt zu leben. Auch wenn es wohl keinen ‚Sinn‘ im Leben gibt, weil wir doch alle durch Zufall aus Sternenstaub entstanden sind, so können wir doch unserem Leben einen Sinn, einen Inhalt und eine Befriedigung geben. Ich meine, oft ist das Ziel ja, etwas dauerhaft auf dieser Erde oder der Welt zu hinterlassen. Wenn ich nicht mal da bin, soll da noch die Erinnerung sein oder mein Werk – ein Stückchen von mir. Wenn man ein guter Mensch ist, dann bleibt Erinnerung auf jeden Fall zurück. Viele Freunde, die an einen denken, wenn man nicht mehr da ist und die die Geschichten weitererzählen und weiterleben. Ein Stück von uns selbst eben.

Bei all diesem Etwas-da-lassen darf man aber auch das Leben nicht vergessen, denn schließlich gibt es ein Leben vor dem Tod.
Und so versuche ich das Leben zu genießen, die Erde nicht zu sehr zu zerstören und mich an den Dingen zu erfreuen, die mir im Laufe des Tages und des Lebens begegnen. Und ganz häufig bewahrheitet es sich, dass man, wenn man lächelt, auch ein Lächeln erhält. Also lasst uns nicht aufhören uns zu wundern und jeden Tag als ein Wunder wahrzunehmen. Was er ja auch ist.

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Eine Antwort to “Kleiner Einschub – Gedanken am Kamin”

  1. Hoppelchen Says:

    Sehr schöne Gedanken, lieber Stefan. Und sehr richtige, ja.
    Der Bericht über Eure Pilgerreise fasziniert mich ebenfalls aber das kann ich ja auch hier hinterlassen.
    Sei lieb gegrüßt.
    von Silke

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