Tagebuch einer Pilgerreise – Teil 3

Am nächsten Tag wachten auf und wollten uns eigentlich schurstracks zum Frühstück begeben, wo wir allerdings nur einem mittelalten englischen Gentleman begegneten, der uns versicherte: „Oh, I’m sorry! There is no breakfast unter half past seven.“
Mist – da war der Plan, in der Herberge gemütlich zu schlemmen und dann mit vollem Bauch zu pilgern erst mal über den Haufen geworfen. Denn wenn wir erst um halb acht anfingen zu essen, würden wir es kaum bis um 8 Uhr an den Bahnhof schaffen. Und das war schließlich die anvisierte Zeit, um uns up-picken zu lassen.  So also kein Frühstück, sondern direkt in die Pilgeruniform geschlüpft und mit dem imaginären Wanderstab (und dafür realem Koffer) zum Bahnhof.
 
Kalt war es! So kalt, dass mir beinahe die Hände abfroren, denn wie immer hatte ich keine Handschuhe mit (beim Laufen mag ich sie nicht – ansonsten brauche ich sie so selten). Aber wir kamen dennoch gesund (und mit beiden Händen) am Bahnhof an, wo wir das verpasste Frühstück einfach mit einem originalen englischen Toast nachholten. Lecker, aber wie anscheinend alle Lebensmittel in England, für deutsche Verhältnisse recht teuer. Schnell noch einen Kaffee dazu und fertig war uns ganz privates „All English Breakfast“. Mit uns wartete ein weiterer Läufer vor dem Bahnhof – unschwer zu erkennen -, der sich hier bei -5 Grad auf den Marathon des Sables (der in der Sahara stattfindet!) vorbereiten wollte. Wie Obelix sagen würde: Die spinnen die Briten 🙂
 
Da wir auf der falschen Seite des Bahnhofs standen, kam der Fahrer herum, uns abzuholen und präsentierte einen Minibus (insgesamt) 15 Sitzplätze, der bis auf einen Platz schon vollgepackt war. „Immer rein mit euch!“ oder so ähnlich muss die Aufforderung wohl gelautet haben – zumindest war die zugehörige Geste eindeutig – und so drängten wir uns mit Koffern auch noch in den Bus. Durch die Vorfreude auf den Start und die Lacher über unsere Pilgerkostüme (die echt gut ankamen :-)), ging es im Bus aber trotz der Beschränktheit (oder deswegen?) recht lustig zu.
Wir bretterten über die zugefrorenen Straßen und kamen schließlich nach ca. 15 Minuten an einem Bauernhof an, auf dessen Gelände das Orga-Zelt aufgebaut war. Wie der Besitzer vor dem Start verkündete, war er unheimlich stolz, eine solche Bande „utterly insanes“ („offensichtlich Irrer“) bei sich zu haben und freut sich jedes Jahr darauf.
 
Zum Start ging es erst mal über sanfte Hügel und an weiten Feldern vorbei und da die Sonne vom Himmel strahlte, wurde es ein frostiger, aber sehr schöner erster Abschnitt. Bis auf einen kleinen Verlaufer (der uns aber eine schöne Kirchenruine einbrachte) und einen noch geschlossenen Pub passierte relativ wenig spektakuläres bis zum ersten VP. Der war – wiederum gemessen an deutschen Verhältnissen – recht spärlich ausgestattet (kaltes Wasser, Sirup, Marshmallows, Erdnüsse und Schokosticks – sonst nix), was aber durch den Enthusiasmus und die Freude der Helfer mehr als wett gemacht wurde.
Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, war, dass der nächste VP 11 Meilen (ca. 17 km) entfernt aufgebaut war. Eine ganz schöne Durststrecke – besonders weil das Frühstück halt doch nicht ganz so üppig war, wie erhoff – und zwischendurch hatte ich immer wieder Halluzinationen, dass der nächste Pausenstand gleich um die Ecke sein müsste. 
Als er dann endlich auftauchte wurde natürlich erst mal ordentlich reingehauen und dann ging es weiter des Wegs….
 
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