Kirk üç – MIAU deux

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ heißt es ja eigentlich, aber beim Laufen ist es meistens umgedreht. Dort steht am Anfang eines Laufes das Vergnügen und später kommt die schwere Arbeit, wenn man sich auch mal durchbeißen muss, durch ein Wegstück. Zum Glück lag das noch lange vor mir, als ich den ersten VP passiert hatte.

Es ging – immer entlang der Isar – in Richtung Bad Tölz und dank des WUFFs vor ein paar Wochen, habe ich mich auf diesem Stück des Wegs auch diesmal nicht verlaufen. Durch schöne Wälder – eine kleines Training für den Supertrail Anfang Juni -, auch mal ein bisschen hügelig und immer mit den netten Vogelstimmen im Ohr, lief es sich einfach wunderschön.
Begleitet wurde ich immer noch von „Slowrunner“ Jochen (der gar nicht so slow war) und so erreichten wir auch den zweiten VP in Rothenrain. Dort entfaltet sich zum ersten Mal das ganze Panorama der Berge und nicht nur das ist ein Grund, sich auch mal hinzusetzen 😉
Eine Bäuerin hatte den Helfern (Christoph und Moritz waren für diesen VP zuständig) Molke herausgebracht (Lecker!) und da es dazu noch die VP-Grundausstattung aus Gurken, Tomaten, Bananen, Wasser, Cola und Bier gab, blieben wirklich keine Wünsche offen.

Immer mehr Läufer von der 5-Uhr-Gruppe schlossen auf uns auf, aber so hatten wir immerhin für ein paar Schritte Begleitung als wir uns wieder auf den Weg machten. Andrea und Nobbi verloren wir relativ schnell wieder, da wir einen Schritt zu flott unterwegs waren. Da die beiden aber auch zu zweit waren, war dies gar kein Problem.
Hinunter in Richtung Bad Tölz und dort musste ich – schon traditionellerweise – erst mal meinen Papa anrufen und sagen, dass es mir gut geht. Diesmal war bloß die Mailbox dran, aber die Tradition ist gewahrt 🙂

Hinter Bad Tölz wieder durch die „Tölzer Tundra“ – einem kargen Gebiet, dass nur von wenigen todesmutigen Wanderern durchstreift wird. Um dann endlich in Lenggries am VP 3 bei Hanka und Familie Mücke anzukommen.
Ich fühlte mich nicht ganz so frisch, wie im letzten Jahr an diesem Punkt, aber immerhin noch gut genug, um optimistisch auf die nächsten Kilometer zu gehen. Jetzt wurde es wieder weitgehend „unbekannt“, denn mein räumliches Gedächtnis ist noch schlimmer als mein Orientierungssinn. Aber die Pfeile waren quasi idiotensicher geklebt und so hatte ich keine Mühe, den Weg zum Sylvenstein zu finden, der zunächst sehr lange (5 km) an der Bundesstraße entlangführt, dann aber – wie zur Belohnung – in eine wunderbaren Waldpfad abbiegt. Dort wird es leicht hügelig, denn man muss ja schließlich über den Pass und wenn man es dann geschafft hat, geht es noch durch einen letzten, kurzen Tunnel, bevor man wirklich direkt in den Bergen ist.

Am Sylvenstein gab es dann auch schon VP 4 und wie versprochen waren Jan Prochaska und Michael Vanicek um 15 Uhr dort. Sie sahen noch total frisch aus und plapperten drauf los, als wären sie gerade erst losgelaufen! Dabei lagen hier schon ca. 84 Kilometer hinter ihnen!
Nachdem auch Ricarda und Nils (5-Uhr-Gruppe) schon losgezogen waren, machte ich mich auch an den Abstieg vom Sylvenstein. Wieder zunächst entlang der gewundenen Straße, aber dann bogen wir erneut auf den Fahrradweg ab. Die österreichische Grenze lag kurz vor uns und dort traf ich auf Bernd. Er war eigentlich schon ein gutes Stück vorweg geeilt mit Thomas, hatte dann aber immer mal wieder Gehpausen gemacht, sodass ich eine Chance zum Einholen hatte. Gemeinsam schossen wir noch Erinnerungsbilder am Grenzübergang und konnten – dank Schengen – anschließend ohne unsere Ausweise passieren.

Die nächsten 11 Kilometer bis zur Fischerwirten (der „großen Pause“) waren ziemlich hart. Da uns doch die über 90 Kilometer arg in den Knochen steckten, mussten wir immer wieder Geh-Pausen machen und die Laufstücke verkürzten sich erheblich.Selbst als wir Achenkirch erreicht hatten (den Ort, in dem die Fischerwirtin ihr Gasthaus hat), waren es noch ca. 5 Kilometer, die sich scheinbar endlos zogen.
Endlich war sie da: die Langersehnte! Aber ich war mittlerweile so kaputt, dass ich es gerade so schaffte mich hinzusetzen und einen Teller Nudeln und alkoholfreies Hefeweizen zu bestellen. Ich war einfach fix und alle, bekam vor Erschöpfung auch einen leichten Schüttelfrost und mit der Vorstellung, dass ich noch die Nacht durchlaufen müsste, um nach Innsbruck zu kommen, kam ich einfach nicht klar. So hieß die Konsequenz für dieses mal: Ich hör auf.

Im Nachhinein ärgere ich mich schon ein bisschen darüber. Es war bestimmt sehr vernünftig, aber vielleicht hätte es mit 90 Minuten Schlaf (die locker drin gewesen wären) und einem Red Bull zum Aufbruch doch noch geklappt, wenigstens nach Jenbach (Kilometer 125) zu kommen. Und wenn man schon einmal da ist…
Aber es hilft nichts, über verschüttete Milch zu jammern: Es ist eine Erfahrung mehr im Läuferleben und vielleicht denke ich das nächste Mal an die Reue-Gefühle und raffe mich doch noch auf. Bis dahin waren es auf jeden Fall sehr schöne Kilometer und ich bin trotz des DNF froh, dass ich den Lauf mitgemacht habe.

Tja, jetzt habe ich es wieder nur bis zur Fischerwirtin geschafft und die Hochzeit, Hochzeitsessen, Streaken in den Alpen, Siegerehrung, Brautentführung, Brautrettung und Taxi in Tirol stehen alle noch aus. Wenn ich doch nur mehr Worte hätte…
Für heute jedoch soll es genug sein und ich verbleibe mit fortzusetzendenen Grüßen,
Stefan

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