100 – Wie bitte, Herr Brüderle?

Ein Minister ist weg und der nächste – ebenfalls von einer der kleinen Oppositionsparteien – ach nee, so weit sind wir ja noch nicht -, Koalitionsparteien – will ihm anscheinend gleich im Eilschritt folgen. Obwohl: Bei der Regierung kann man nicht sagen, dass so etwas gleich einen Rauswurf wert wäre. Und schließlich ist er ja nicht umsonst Minister für Wirtschaft und Technologie. Atomkraftwerke sind immerhin eine technologisch – wenn auch nicht moralische – Meisterleistung. Und müssen ja quasi schon deswegen erhalten und in Betrieb bleiben, oder?

Aber was möchte man auch von Herrn Brüderle erwarten? Er ist schließlich Minister für Weinbau a.D. und da kann es ja mal passieren, dass er – so in Weinseligkeit – auch mal die Wahrheit sagt. „Wer nichts trinkt, ist verdächtig.“, um es mit seinen Worten zu sagen.
Und wer sich von GQ zum „Mann des Jahres“ wählen lässt – und das auch noch mit jemanden wie Bushido – der ist mir schon mehr als verdächtig!

Aber Moment! Ein Politiker, der – anscheinend ausnahmsweise – die Wahrheit sagt? Das müsste mir doch gefallen.
Nix da! Wenn er sich in Berlin vor Mikrofone öffentlicher Sendeanstalten gestellt hätte, meinetwegen auch bei Anne Will, dann – ja dann hätte ich gesagt: „Respekt!“. Aber vor den eigenen Kumpels, bei Wirtschaftsbossen und dem Klüngel – das ist nicht nur feige und kriecherisch, das ist einfach zu blöd!
Dass er die Aussagen jetzt auch noch abstreitet, klingt eher nach Rückzugsgefechten – obwohl ich eigentlich nicht denke, dass es hier einen weiteren Rückzug (sprich: -tritt) gibt. Schließlich hat die Kanzlerin keinen Richter berufen (dessen Beruf ich mal ein gewisses Maß an Ehrlichkeit unterstelle), sondern einen Politiker – wie sie sagen würde. Damit ist wohl alles gesagt.

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3 Antworten to “100 – Wie bitte, Herr Brüderle?”

  1. Dietrich Says:

    „Zu verdanken ist der Durchbruch der Wahrheit einem unbekannten Protokollanten des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), der Montag vor einer Woche mitgeschrieben hat, was Wirtschaftsminister Rainer Brüderle zum abrupten Kurswechsel der Regierung Merkel sagte: “Der Minister … wies erläuternd darauf hin, dass angesichts der Landtagswahlen Druck auf der Politik laste und daher die Entscheidungen nicht immer rational seien”.
    Selbst für Wähler mit dem kleinen Durchblickerlehrgang ist dies keine Überraschung, aber es ist schon eine Enthüllung, dass Brüderle dies im vertrauten Kreis offen aussprach und damit alle Beteuerungen der Regierung, ihre Kehrtwende habe nichts mit den Wahlen zu tun, wie eine Seifenblase auch regierungsamtlich zerplatzen ließ. Auch die – ohnehin verdächtigen – Verweise der Kanzlerin auf ihren Amtseid sind jetzt Makulatur. Die Glaubwürdigkeit von Schwarz-Gelb ist von Brüderle offiziell beerdigt worden.“

    Soweit ein Zitat von Michael Spreng (früher u.a. einmal BamS-Chef, als jetzt selbstständiger Kommunikatiosberater auch Wahlkampfberater der Union, wenn ich micht recht erinnere, unter anderem bei Stammel-Ede), dessen Blog lesenswert und anstößig (zum Nachdenken!) ist: http://www.sprengsatz.de

  2. Dietrich Says:

    Ganz frisch aus WDR-5-Nachrichten:
    Offenbar hat die Affäre ein (Bauern-?) Opfer gefordert: Der BDI-Hauptgeschäftsführer (und ehemalige bayerische CSU-Minister) Schnappauf (erweist sichder Name hier als Programm?) soll die Schuld übernommen und sein Amt zur Verfügung gestellt haben.
    Na, da sind wir doch alle froh, daß der „Schuldige“ die Konsequenzen gezogen hat!

    Übrigens: Unserem gegenwärtigen „Atom-Schlappschwanz“ Röttgen (offiziell Bundesminister für Umwelt, Reaktorsicheheit usw.) war vor ein paar Jahren diese Funktion angetragen worden.
    Wenn ich mich recht erinnere, wollte er diese Funktion wahrnehmen, ohne sein Bundestagsmandat niederzulegen … und ist letztlich über diese allzu offensichtliche Interessenverquickung gestolpert und trat von dem Ansinnen zurück.

    Mal sehen, wo wir Schnappauf in nicht allzu ferner Zeit wiederfinden …

  3. Dietrich Says:

    Und hier noch aus einer anderen Quelle der unsägliche Weinbauminister a.D. (interessant ist auch seine Behrrschung der deutschen Sprache, die live schon immer bewundernswert war):

    “TOP 4 Umsetzung des industriepolitischen Gesamtkonzepts
    Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle

    Herr Dr. Keitel begrüßte den Minister und wies zugleich darauf hin, dass es in der Bundesregierung einige industriekritische Vorhaben gebe, die die Wirtschaft in ihrer Entwicklung behinderten und die man mit Sorge beobachte.

    Der Minister ging zunächst auf die Ereignisse in Japan ein. Man müsse sich darauf einstellen, dass die Energiediskussion mit gesteigerten Emotionen zurückkommen werde. Eine redliche Aussprache über Alternativen müsse aber auch die Themen CCS und Leitungsbau mit in den Blick nehmen.

    (…)

    Herr Dr. Keitel machte darauf aufmerksam, dass derzeit eine Meldung über die Ticker laufe, wonach die Bundesregierung am Nachmittag ein Moratorium der Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke bekannt geben wolle. Der Minister bestätigte dies und wies erläuternd darauf hin, dass angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Druck auf der Politik laste und die Entscheidungen daher nicht immer rational seien. Er sei ein Befürworter der Kernenergie in Deutschland und für ihn sei klar, dass die energieintensive Industrie in der Wertschöpfungskette gebraucht werde. Es könne daher keinen Weg geben, der sie in ihrer Existenz gefährde.

    In der weiteren Aussprache, an der sich die Herren Dr. Enders und Dr. Keitel beteiligten, bezweifelte der Minister, ob das Bekenntnis der Politik zur Kernenergie flächendeckend sei.”

    Quelle: SPIEGEL Online

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