82 – Es geht doch

Es ist vollbracht!

Ich bin nicht so eitel zu glauben, dass Herr von und zu Guttenberg jeden Tag meinen Warte-Streak und meinen Ceterum censeo-Kommentar beobachtet hat und sich gedacht hat, dass es so nicht mehr weitergeht. Aber immerhin: Die drückende Masse hat auch ihn erwischt und es ist nicht so, dass man einfach nur dreist und abgehoben genug sein muss, um mit so etwas durchzukommen. Und es ist nicht so, dass die BILD-Zeitung künftige Kanzler macht oder verhindert oder ganz generell, die Politik mit bunter Tinte „macht“. Ich kann mir schon vorstellen, wie deren morgige Schlagzeile oder ihre Artikel lauten – bestimmt ganz in dem Tenor: „So ein bewundernswerter Mann! Er hat sich nur Kleinigkeiten zu Schulden kommen lassen und tritt trotz dessen zurück. Er stellt das Wohl seiner Familie, seiner Partei und des Volkes vor sein eigenes! Wie selbstlos!!!“

Nun, dem wäre eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, bis auf die nette Anekdote, dass mich mein Papa heute um kurz nach 11 Uhr extra auf Arbeit anrief, um mir den neuesten Stand in der Causa Guttenbergensis mitzuteilen: Pressekonferenz für 11:15 Uhr anberaumt. Deppendorf meint: „Er geht!“ Lange kann es nicht mehr dauern.
Fast wie bei einem spannenden Fußballspiel (wobei mich mein Papa bei so etwas sicher nicht anrufen würde ;-)) und es war ja durchaus eine Art Wettkampf.

Ich bin gespannt, wie es unabhängig und abseits von Doktorarbeit und Rampenlicht mit Herrn Guttenberg und seiner Frau weitergeht, bin aber auch dafür, die beiden jetzt erst mal in Ruhe zu lassen. Sowohl mit Kritik und Häme als auch mit Lobhudeleien, wie sie von der BILD zu erwarten sind. Auch die Familie Guttenberg hat ein Recht auf Privatsphäre und auf mediale Unversehrtheit der Person. Und somit will ich – sofern sich die Familie nicht aufdrängelt – den Namen im nächsten halben Jahr im Blog auch nicht mehr erwähnen.

Frohgrinsendende, genügegetane Grüße,
Stefan

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Eine Antwort to “82 – Es geht doch”

  1. Dietrich Says:

    Viel gäbe es dazu zu sagen – zumindest vom „Anekdoten-Papa“, daher hier fünf kurze Anmerkungen und einen Nachsatz:

    (1) Während G. bei seinem Bundestagstagsauftritt nebulös von „man“ (habe Fehler gemacht) sprach, erklang heute ein klares „ICH“: Ich kann meinen Maßstäben nicht mehr gerecht werden! Ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.
    Doppelt gelogen!
    G. wird ja gerade seinen eigenen Maßstäben (TTT: Tricksen, Täuschen, Tarnen) gerecht.
    Und: Um SEINE Maßstäbe geht es gar nicht, es geht um die Lauterkeit einer Person, die eine große Verantwortung trägt. (Diese Lauterkeit scheint übrigens auch seiner bisherigen Chefin dauerhaft abhanden gekommen zu sein.) Wie wichtig ist dieses plötzlich wiederentdeckte ICH für die A>llgemeinheit …

    (2) In seiner Amtsausübung war er – entgegen der veröffentlichen BILD-Meinung – alles andere als vorbildlich, im Gegenteil: Auch diesbezüglich ist G. ein Blender, verkörpert Schein statt Sein.

    (3) G. hat nicht irgendwelche Fehler gemacht. Er hat betrogen!
    Strafrechtliche Konsequenzen werden hoffentlich folgen.

    (4) G. hat stets nur dem nicht mehr ertragbaren Druck stattgegeben, bisher kam nichts aus eigener Einsicht.

    (5) Hintergründig interessant ist die Frage, wer mit welchen Interessen G.’s Promotions-Plagiate zu diesem Zeitpunkt in die Öffentlichkeit lanciert hat, denn in bestimmten Kreisen war dies sicher schon länger bekannt.
    Soll vielleicht diese – halbherzige – Bundeswehrreform scheitern?

    Übrigens ist es – leider – nicht so, daß BILD nicht „Politik mit bunter Tinte“ macht, denn es gab und gibt ja auch die Kampagne um „Florida-Rolf“ (führte damals schnellstens zu einer Gesetzes-Novelle), die Absetzung des Gorch-Fock-Kapitäns (vielleicht hat seine Mannschaft ja den SPIEGEL zu den Recherchen angestoßen) oder die neue Werbekampagne für die Bundeswehr in Medien dieses „Verlages“.
    Wie schon Schröder wußte: „BILD, BamS und Glotze …“.

    Historiker werden Fall zu G. in künftig bestimmt mit Interesse studieren – und Promotionsarbeiten zu diesem Casus begutachten.

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