45- Senftenberg, Teil 2

„Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang“, heißt es in der „Glocke“ von Friedrich Schiller und genau so einen Gedanken, hatte ich am Sonntag morgen beim Aufstehen. Gleich nach „Verdammt, tut das weh!“

Heimtückischer Muskelkater hatte sich in meinen Oberschenkeln über Nacht breitgemacht und nistete sich gemütlich ein. Apropos gemütlich: Das Frühstück mit dem Kollegen Ralph vom 100 MC war ebenfalls sehr gemütlich und der Kaffee überzeugte sogar meine Beine und Hanka restlos in Schwung zu kommen. Bei Hanka hielt dieser allerdings etwas länger an.

Viel Zeit blieb zum Frühstücken leider nicht, da es schon um die nachtschlafende Zeit von 8:00 Uhr wieder losging mit dem Rundendrehen in der Halle. Da kannst du nix machen, da musst du hin! So also nur eine kurze Schrippe, zwei Schälchen Heeßen und dann ab ins Auto. Ralph nahmen wir praktischerweise gleich mit und kamen knapp, aber pünktlich, um zehn vor acht an der Niederlausitzhalle (übrigens in der Schillerstraße – wenn das mal kein Zufall ist!) an. Schnell die Ausgehsachen gegen ein sportives Outfit getauscht und dann hin zum Start. Vorher natürlich ein verschlafenes „Gudden Morgen“ an die anderen Doppelstarter (Diethard, Hajo, Antje, Daniela, Sigrid fallen mir jetzt spontan ein) und Willkommenheißen der Frischlinge, die heute ausgeruht an den Start durften. Mit dabei waren unter anderem der Havelwolf von den Streakrunnern (was die Veranstaltung zu einem KMFT* machte), Günter, Matthias und Sascha vom MIAU (2010 + 2011) und Schneggi mitsamt physiotherapeutischer Begleitung Annett.

Startschuss diesmal pünktlich und sofort wetzt er los: Gerald! Er rannte, als ob es kein Morgen gibt und hatte schon zwei Runden hinter sich als Sigrid gerade mal auf der Zielgerade ihrer ersten war! Wie ein Wirbelwind wetzte der lange Kerl mit den langen Haaren durch die Halle. Geruhsamen Schrittes folgte ihm das normale Fußvolk hinterdrein. Der eine schneller (Matthias, Sascha, Antje) – die anderen langsamer (Hajo, Sigrid, ich). Ein wenig, aber nur ein klein wenig, folgen konnte noch der Vorjahressieger – der mir von damals mit seinem beeindruckenden Laufstil noch gut in Erinnerung war -, aber auch diesen überrundete Gerald im Laufe des Rennens mehrmals. Wahnsinn! Ein Wahnsinn, der über die Dauer der 200 Runden auch nicht merklich langsamer wurde.

Aufgrund einer Wechselpause – ich war dabei, mir mit meinen Schlabberhosen einen Wolf zu laufen und brauchte unbedingt Tights – lieferte ich mir mit Hajo ein Elefantenrennen. Er hatte durch die Pause zwei Runden Vorsprung und ich kam jede Runde ungefähr 5 Sekunden an ihn ran. Zu meiner Beschämung muss ich sagen, dass Hajo in der M70 läuft, zu meiner Ehrenrettung allerdings auch, dass er ein sehr guter, erfahrener Marathonläufer ist (1321. Marathon). Schließlich konnte ich ihn bei einer Trinkpause schnappen und versägen. Die Freude war allerdings nicht zu groß – zu sehr musste ich meinen Beinen ein mentales „Weiter!“ befehlen.

Aber ich war nicht der einzige der Probleme hatte: Auch Sigrid kämpfte sich mühsam vorwärts, immer wieder von Krämpfen geplagt und auch bei Daniela verhieß der langsame Schritt nichts gutes. Sie kämpften zwar beide wie die Löwen, mussten sich aber am Ende – wie Hajo – mit der Marathondistanz zufrieden geben. Mehr wäre heute mit dem Zeitlimit von 6 Stunden nicht drin gewesen.

Ein anderer, der beim Marathon schon aufhören wollte, war Wolfgang (Havelwolf). Als er mir das beim Überrunden (er überrundete mich ungefähr zum zwöften Mal) lapidar mitteilte, musste ich ihn erst mal zurechtrücken. Wo gibt´s denn so was? Weit vor mir, das Zeitlimit nicht mal annähernd eine Bedrohung und dann kurz vor dem Ziel aufhören? Niemals! Also stachelte ich Wolfgang noch mal an, scheuchte ihn vorwärts, wenn er nicht mehr weiterwollte und nach ein paar weiteren Runden, ging es auch bei ihm wieder gut. Er kam letzten Endes weit vor mir ins Ziel – was den Vorteil hatte, dass das Finisherbier schon frisch dastand, als ich schließlich auch eintaumelte.

Tja, ein hartes Rennen, aber für einige anscheinend nicht hart genug: Antje holte sich nach dem Streckenrekord gestern – soweit ich es mitbekommen habe – auch noch den Streckenrekord über 50 Kilometer. Tut mir leid Silke – du wirst wohl noch mal nach Senftenberg kommen müssen 😉

Kurz gesagt: Schöner Lauf, nette Helfer und diese ganz besondere Hallenatmosphäre, in der sich die Läufer bei Überrundungen immer wieder begegnen, anfeuern, motivieren oder einfach nur ein Stückchen mitziehen. Senftenberg? Gern wieder!

*Kleinstmögliches Forumtreffen

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2 Antworten to “45- Senftenberg, Teil 2”

  1. Hoppelchen Says:

    Also DEN Streckenrekord könnte ich mir nicht zurückholen, Antje ist phänomenal.

  2. Hoppelchen Says:

    Sorry, Du natürlich auch.

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