37 – Brain-Computer-Interface

Und wieder hänge ich als treuer Chronist meines Lebens hinterher, versuche die Zeit wieder einzuholen, die ich durch das Leben gewonnen oder verloren habe und mache mir also Gedanken im Hotelzimmer. Offline.
Wobei: „Zimmer“ ist eigentlich untertrieben, denn das Hotel, indem wir aus Anlass einer Arbeitsberatung untergebracht sind, ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Dorfhotel. Also mehr Dorf als Hotel. Schicke kleine Häuser, die sich an enge Gassen schmieden. Die Zimmer sind eher Apartments als kleine Hotelräume und es ist sogar eine eigene Küche dabei.

Aber ich schweife ab, während ich mich über meine Umgebung auslasse, in der ich gerade – nach einem etwas feuchten Lauf – trockenblogge und dabei wollte ich doch eigentlich über einen spannenden Vortrag erzählen. Thema des Vortrags war ganz allgemein „Zufall“, aber da der Dozent – ein Professor der TU Berlin – sein Steckenpferd eher in der Interaktion zwischen Mensch und Maschine, genauer im Brain-Computer-Interface, gesehen hat, wurde es eine spannende Reise in die Welt des Vorstellbaren und vor allem dessen, wie man diese Vorstellungen auswertet.

Nicht erstaunlich, dass unser Gehirn sehr, sehr viele Signale aussendet. Wenn wir diese messen – in Form von EEG-Strömen – sehen wir – als normale Menschen – nur ein Rauschen von gezackten Linien. Muster scheinen kaum erkennbar. Und mit diesen Strömen soll eine Maschine gesteuert werden? Ja, es geht und Beispiele dafür haben wir in eindrucksvollen Videos während der Vorführung gesehen. Mit einer sehr kurzen Übungsphase (20 Minuten) gelingt es der Maschine mit einer über 90%-igen Genauigkeit die Befehle „Rechts“ und „Links“ eines Patienten (oder Probanden) auszuwerten. Das klingt banal in Anbetracht der Vielfalt, die das menschliche Gehirn leisten kann. Ein binäres System – was kann man damit schon machen? Nun – man kann Raketen auf den Mond schießen und den genetischen Code damit entschlüsseln 😉

Aber zurück zum Menschen, der an der Maschine angeschlossen ist. Nun kann unsere Maschine also rechts und links allein aus den Gedanken des angeschlossen Menschen lesen und interpretieren. Damit kann man z.B. schon innerhalb von Listen navigieren. Man kann Optionen auswählen, seinen Willen bekunden, mit Hilfe eines Alphabets sogar buchstabieren und Briefe schreiben. Kommunikation, Interaktion mit der Umwelt wird damit auch für Menschen möglich, die sich – meist auf Grund von Unfällen oder Krankheiten – keiner Sprache im herkömmlichen Sinne bedienen können. Phantastische Möglichkeiten tun sich auf, wenn man daran denkt, dass man – bei genauerer Interpretation der Ströme – in Zukunft Gliedmaßen damit steuern kann. Querschnittslähmung bedeutet vielleicht in Zukunft nur noch den Um“stieg“ auf künstliche Gliedmaßen – wie heute der Wechsel zu den dritten Zähnen.

Natürlich bergen solche Entwicklungen auch Risiken. Sind diese maschinellen Bestandteile so unter Kontrolle, dass sie sich nicht gegen den Bediener wenden? Können sie nicht auch für kriegerische und militärische Zwecke missbraucht werden? Wer kann sich „Ersatzteile“ überhaupt leisten? Dies sind Fragen, die diskutiert werden, aber da ist es wie bei jeder größeren Erfindung oder Umwälzung. Ich bin schon überzeugt, dass die Bio-Technologie und gedankengesteuerte Maschinen unser Leben in der Zukunft prägen wird und ich hoffe, dass ich diese Generationen von Maschinen auch noch tatsächlich erleben darf. Schon aus Neugier.

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