87 – Deutschlandlauf, ein Bericht II

Eigentlich wollte ich den gesamten Bericht zum Deutschlandlauf in einem Artikel unterbringen. Der wäre dann aber wahrscheinlich so groß geworden, dass man ewig braucht, ihn zu lesen und so habe ich mich entschieden, einfach mehrere Blog-Einträge daraus zu machen. Weiter geht es heute mit den langen Etappen (2,3,4). Viel Spaß!

Lange Etappen – ruhiger Schritt
Die Etappen 2 bis 4 waren diejenigen, vor denen ich mich im Vorfeld am meisten gefürchtet hatte. Es waren 86, 93 und 83 Kilometer zurückzulegen und meine Erfahrungen in diesem Bereich sind relativ dürftig. Zuvor war ich nur beim MIAU (160 km) und in Biel (100 km) längere Strecken gelaufen. Und erst recht nicht hintereinander!

Wie immer versuchte ich, die Etappe mit Ruhe anzugehen, dabei immer das Zeitlimit von 10 min/km im Auge, und es hat sich auch hier wieder gezeigt, dass dies für mich die beste Variante ist. Den Ultraschlappschritt eingeschaltet und immer einen Kilometer nach dem anderen. „Was denkt man sich dabei?“ ist die Frage, die am häufigsten gestellt wird. Ich kann mit Fug und Recht behaupten: Kaum etwas. Meistens singe ich mir im Kopf ein Lied vor, überlege, wie weit es bis zum nächsten VP ist oder schaue mir die Gegend an. Obwohl Mecklenburg Vorpommern sehr schöne Landschaften hat, war das Gegend-Anschauen in den ersten Tagen jedoch relativ unfruchtbar, da wir hauptsächlich auf Landstraßen gelaufen sind. Und ihr könnt euch vorstellen, dass es ganz gutes Training in Sachen Geduld, Stoik und Kaltblütigkeit ist, 5 Kilometer auf einer Landstraße (auf der u.a. LKWs und Busse fahren) geradeaus zu laufen.

Besuch auf der Strecke
Zum Glück bekam ich auf der ersten Etappe noch Besuch von Ramona (Streakrunnerin) auf der Strecke. Dies hatte zum einen den Vorteil, dass es eine Abwechslung beim relativ eintönigen Laufen war und zum anderen, dass mir Ramona netterweise noch flexibles Pflaster (für die Blasen an den Zehen) und Postkarten mitgebracht hat. Was ich sonst noch so zu Hause vergessen hatte (z.B. Badelatschen), kaufte ich kurzerhand unterwegs ein – Zeit war ja genug 😉

Nachdem Ramona und ich uns wieder getrennt hatten (sie musste zurück an die Arbeit), zeigte uns MV noch mal die geballte Kraft der Landstraße und es ging knapp 20 km am Rand dieser entlang auf den Weg nach Stavenhagen. Das Wetter war dabei so stürmisch, dass ungefähr 100 Meter neben der Landstraße sogar ein Baum abgebrochen ist. Die Krone fiel, als ich daran vorbeilief, plötzlich mit einem riesigen Lärm (fast wie eine Explosion) zur Seite und es stob Holzstaub auf. Schon Wahnsinn, was der Wind für eine Kraft hat. In Stavenhagen selbst hieß es dann nur: Schnell unter die heiße Dusche! Ich hatte kurze Sachen angehabt und der eisige Wind blies mir gerade an den Armen ganz schön kalt ein. Abendessen und auf die Matratze, um für den nächsten Tag ausgeruht zu sein.

Die längste Etappe
Mittlerweile hat sich die Hierarchie im Feld weitestgehend geordnet: Vorn laufen die schnellen Hasen (Jürgen, Günter, Oliver) und hinten sammelt sich so der Bodensatz des Feldes (Tom, Sarah, Anh und ich). Und wenn ich schon stolz davon berichtet habe, dass ich auf den ersten paar Metern beim Deutschlandlauf geführt habe, so muss ich auch ehrlicherweise zugeben, dass ich auf keiner einzigen Etappe nicht zwischendurch der allerletzte war. Aber ich finde das gar nicht schlimm, ganz im Gegenteil: Ich mag es, wenn ich das Feld vor mir „herscheuchen“ kann. Dann weiß ich, dass alle gut vorwärtskommen, dass niemand weit zurückgefallen ist (außer vielleicht mir selbst, aber da habe ich es ja selbst in der Hand) und dass somit alles seinen geregelten Gang geht. Es ist ein bisschen, wie beim einem Schafhirten, der gern hinter seinen Schäfchen hertrabt. Obwohl die Läufer natürlich alle selbstverantwortlich sind und auf eine solche „Hirtenfunktion“ überhaupt nicht angewiesen. Es war also eher etwas für meine unterforderte Phantasie – ein Bild beim Laufen.

Besonders schwierig waren die letzten 4 Kilometer der Etappe: Es wurde schon dunkel, der Garmin war auf Grund der Dauerbelastung ausgefallen und ich hatte jegliche Orientierung, was Strecke und Zeit angeht, verloren. Zudem schmerzte das linke Knie und ich wollte einfach nur noch, dass die Etappe vorbei ist. Nach scheinbar unendlich langer Zeit kam dann auch das Ortseingangsschild von Pritzwalk in Sicht und etwas später stand ich dann – völlig ausgepumpt – auf dem Markt. Zum Glück war Hanka von Berlin gekommen und kutschierte mich mit dem Auto zur Halle – die ein Stückchen weg war – und umsorgte mich auch sonst (mit Schlafsack, Gepäck und ähnlichem). Ich war bei dieser Etappe einfach völlig am Ende und da ich wegen des Knies in der Nacht auch kaum schlafen konnte, hatte ich beschlossen, dass der Lauf für mich zu hart sei. Sollten andere die Quälerei auf sich nehmen, ich würde es nicht schaffen. So steckte ich meinen Garmin gar nicht erst in die Ladebuchse, denn ich war überzeugt, ich würde ihn am nächsten Tag nicht mehr brauchen!

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