85 – Deutschlandlauf, ein Bericht IV

Erholung nach dem Hammer
Nach den drei Hammer-Etappen folgte endlich eine etwas kürzere (73 km) nach Schönebeck. Ein bisschen hatte ich darauf gehofft, dass im Etappenort ein Lauffreund vom 100 MC (Heiko) da sein würde, da er in Schönebeck wohnt und wir uns ein paar Mal über den Deutschlandlauf unterhalten hatten. Leider war er letztlich nicht da, aber schon die Hoffnung, auf ein nettes Wiedersehen und einen Plausch, machten den Lauf einfacher. Richtig hart wurde es in Gommern, ungefähr 14 Kilometer vor dem Ziel. Der letzte VP (mit unserem Pastor Uli) war noch weit weg, die Batterien waren so ziemlich leer und die Sonne brannte auch ordentlich. Aber natürlich alles kein Grund, nicht doch noch einen Fuß vor den anderen zu setzen und Kilometer um Kilometer abzuspulen. Es war der zweite Tag, wo ich „oben ohne“ lief, nämlich ohne Garmin. Nach der Pritzwalker Etappe hatte ich ihn ja nicht aufgeladen und anschließend habe ich ihn in der Turnhalle so verlegt, dass ich ihn nicht mehr rechtzeitig zum Aufbruch wiedergefunden habe. Zum Glück hat Uli ihn später noch an einer Wand entdeckt und so konnte ich ab der 6. Etappe wieder mit Kilometermessung laufen.

Je näher die VPs am Ziel lagen, desto ausgedehnter wurden auch meine Pausen dort (ich wusste dann ja schließlich, wieviel Zeit ich noch auf das Zeitlimit hatte) und ich schätze, ich kann mich mit Fug und Recht „VP-Gourmet“ nennen. Diese Erholungszeiten (meist zwischen 5 und 10 Minuten) taten aber auch sehr gut und waren wirklich nötig. Das Anlaufen fiel zwar mit der Zeit immer schwerer (und sah schlimm aus!), aber die folgenden Kilometer gingen dafür um so leichter voran. Uli hatte bei seinen VPs immer noch die Besonderheit, dass er rund 1000 Meter vorher einen Teil des Psalms 23 (auch einer meiner Lieblings-Psalmen „Der Herr ist mein Hirte …“) auf die Straße geschrieben hat. So wusste man einerseits, dass der VP nicht mehr weit ist und andererseits passten die Zitate auch immer irgendwie zum Ultralaufen („Er führet mich zum frischen Wasser“, „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück“, „Er führet mich auf rechter Straße“, …). Eine sehr nette und gelungene Tradition.

Erholung – diesmal in Familie
Die nächste Etappe war sogar noch etwas kürzer (65 km), was nicht nur den Vorteil hat, dass man den Körper nicht so strapazieren muss, sondern dass vor allem mehr Zeit für die Erholung bis zur nächsten Etappe bleibt. Schließlich war ich nach den 65 Kilometern schon gegen halb fünf im Ziel und hatte somit volle 4,5 Stunden, bis es galt, die Nachtruhe einzulegen. Wenn man vorher immer nur stundenweise „Freizeit“ hatte, ist das ein Privileg, das man sehr zu schätzen lernt. Außerdem erwartete mich am Ende (und eigentlich schon etwas eher) netter Besuch auf der Strecke: Meine Mama kam aus Freiberg angereist und Hanka und Nicole aus Berlin. Grund ist, dass meine Oma und mein Onkel nur ca. 7 km entfernt von Eisleben wohnen und wir dort also eine prima Anlaufstelle hatten. Dies hieß für mich vor allem eine nette Begleitung zwischen Kilometer 44 und 50 (ca.) und im Ziel der Empfang durch mein liebes Muttchen. Ich fragte um Erlaubnis und durfte dann ganz offiziell als „Heimschläfer“, die „Truppe“ verlassen. Und ihr glaubt nicht, wie herrlich eine heiße Badewann nach 6 Tagen des Laufens ist. Schaum, Seife, Untertauchen – aaaahhhhhh! Als Sahnehäubchen grillten wir noch bei meinem Onkel und in meinem Heißhunger habe ich 3 Steaks und eine Bratwurst verschlungen. Es galt halt doch, ein bisschen was wieder aufzufüllen. Da es aber auch am nächsten Tag wieder früh aus den Federn gehen musste, hieß es auch hier, nach einem sonnigen Abend im Garten, gegen 21 Uhr: Nachtruhe!

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Eine Antwort to “85 – Deutschlandlauf, ein Bericht IV”

  1. laufmauselke Says:

    Stefan, ich bewundere Dich. Mir fehlen einfach Die Worte. Du hast das alles gut gemeistert, und Deine ausführlichen Berichte geben einem das Gefühl, das man das selbst erlebt hat.
    Ich wünsche Dir eine gute und schnelle Erholung, und ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen.
    Liebe Grüße
    Elke

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