ABAABBB – Sonntag ist frei

Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes lässt mich aufatmen: Der Sonntag bleibt grundsätzlich ein freier, geschützter Tag.

Ich kaufe sehr gerne – und eigentlich ausschließlich – zu ungewöhnlichen Zeiten ein: Abends um 22 Uhr oder morgens um 5 Uhr sind die Uhrzeiten, in denen ich mich normalerweise bei Bäckern oder in der Kaufhalle rumtreibe. Eine Öffnung der Läden am Sonntag müsste also eigentlich in meinem Interesse liegen, aber ich finde, es muss einen Tag in der Woche geben, in der man mal durchschnaufen kann. Wo die Hektik des Alltags einfach mal draußen bleibt. An dem man sich nicht an der Kasse drängeln und Gedanken über den Konsum machen muss.

Wie wahrscheinlich schon deutlich wird, habe ich nichts dagegen, dass am Sonntag gearbeitet wird – auch Krankenschwestern, Taxifahrer, Feuerwehrleute arbeiten am Sonntag -, mir geht es darum, dass man in seiner Woche und damit in seinem Leben einen gewissen Rhythmus findet. Und zu diesem Rhythmus gehört nun mal: Einkaufen kann man von Montag bis Samstag. Sonntag ist Ruhe!

Besonders schlimm finde ich die aktuelle Ausprägung des Einkaufwahns in Berlin: An allen 4 Adventssonntagen sind die Läden (d.h. hauptsächlich die großen Center wie das Alexia am Alexanderplatz, die Schönhauser Allee Arcaden oder das Rathauscenter in Pankow) geöffnet und ich kann es förmlich vor mir sehen, wie sich alle in diese Tempel des Konsums stürzen und sich mit Schnickschnack wie Flachbildfernsehern, modernsten Küchengeräten und Büchergeschenken eindecken. Ob wir das brauchen oder nicht, kann ja jeder für sich entscheiden – aber brauchen wir es am Adventssonntag?

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4 Antworten to “ABAABBB – Sonntag ist frei”

  1. Dietrich Says:

    … sehr schön (oder gut?) kommentiert!

    Der Konsum-Terror ist die Ausgeburt (oder der der Wahnsinn?) des kapitalistischen Alltags, und all‘ die vielen Dienstleister (oft Verkäufer – zumeist -innen) haben dies nicht verdient (im wahrsten Wortsinne).

    Das Allermeiste, was ich sonntags kaufen will, habe ich doch wochentags vergessen, oder?

    Es muß nicht sein, daß ab September Schokoladen-Weihnachtsmänner angeboten werden und bereits jetzt Schoko-Osterhasen in den Lagern bereitstehen.
    Und genauso wenig müssen wir an Advents-Sonntagen einkaufen!

    Reicht es denn nicht, daß lebensnotwendige Dienstleistungen (Energie, Wasser, Gesundheit, Schutz und auch – ja – Kultur) an freien Tagen aufrechterhalten werden? (Oder überleben die Juden, z.B. in Israel, nicht einen einzigen Sabbat?)

    Ein wenig Innehalten tut gut – uns und allen.

  2. Dietrich Says:

    Nach – zugegebenermaßen laienhaftem und oberflächlichem – lesen der BVerfG-Entscheidung muß ich meinen Kommentar in drei Punkten ergänzen:

    (1)
    Die Aufzählung „lebensnotwendiger Dienstleistungen“ sollte heutzutage um die Punkte Mobilität und Kommunikation ergänzt werden.

    (2)
    Die BVerfG-Entscheidung bezieht sich meines Erachtens nur auf die Adventssonntage und überträgt dem Berliner Landesgesetzgeber, also dem Berliner Abgeordnetenhaus, die Aufgabe, eine verfassungskonforme und diesem Beschluß entsprechende Regelung ab 2010 herbeizuführen.

    (3)
    Interessant ist, wie oft auf Regelungen der Weimarer Reichsverfassung zurückgegriffen wird. Wenn das kein Armutszeugnis bezüglich der gegenwärtigen Verfaßtheit unseres Staates ist …
    Die Möglichkeit, ja grundgsetzlich verankerte Pflicht, mit der Einheit 1990 eine wirkliche Verfassung Deutschlads zu erarbeiten und zu verabschieden, ist ja – grundgesetzwidrig – mißachtet und vertan worden, obwohl es dazu Vorschläge gab und gibt.

    • 99woerter Says:

      zu (2):
      Leider ja! Der Schutz des Sonntags zur „seelischen Erhebung“ (oder zur Entspannung, wie ich es ausdrücken würde) wird nicht konsequent im Urteil betont. Getreu dem Motto: „Es darf halt bloß nicht zum Normalfall werden“.
      Das ist natürlich schade, aber, soweit ich weiß, ist das BVG-Urteil der erste Schritt, der überhaupt in die Richtung der Konsum-Eindämmung unternommen wird.

      zu (3)
      Das ist wirklich traurig. Ich war selbst total überrascht, als ich im Artikel 140 des Grundgesetzes gelesen habe: „Die Bestimmungen der Artikel 136, 137, 138, 139 und 141 der deutschen Verfassung vom 11. August 1919 sind Bestandteil dieses Grundgesetzes.“
      Ich hoffe, dass es noch eine demokratische Verfassung für unser Land gibt, mit Volksabstimmung darüber und einer wirklichen öffentlichen Diskussion und Beteiligung. Obwohl die Chance 1990 verpasst wurde, denke ich immer noch, dass es möglich ist.

  3. AAABABA – Mein Jahr 2009 « Täglich laufen Says:

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