ABABBAB – Trauer, Liebe, Hoffnung

Ich habe – zum Glück – nicht so viel Erfahrung mit Beerdigungen. Ich musste noch keinen guten Freund auf dem letzten Weg begleiten und auch enge Familienmitglieder habe ich noch nicht so häufig verloren – bisher war es als einziger mein Opa. Aus diesem Grund wusste ich nicht so recht, was mich beim „Leichenschmaus“ (ein schlimmes Wort, finde ich!) erwartet. Ein paar von uns gingen zu Fuß vom Friedhof zum Restaurant, wo er stattfinden sollte und dieser Spaziergang wirkte schon sehr beruhigend und war wie ein Übergang zwischen der tief-traurigen Stimmung auf dem Friedhof zum Beisammensein unter den Verbliebenen.

Am Restaurant (Alfred´s in Kleinmachnow) angekommen, hielt der älteste Bruder meiner Oma noch eine Rede und schließlich tauchten wir ein in die Gespräche, Anekdoten, Rück- und Ausblicke. Es fanden sich kleinere Grüppchen – die Geschwister, die Kinder, die Freunde, die Nachbarn – und sie alle erinnerten sich in gutem Gedenken. Besonders schön war die Präsentation von Fotos – angefangen in den 30er Jahren, als meine Oma noch ein kleines Mädchen mit geflochtenen Zöpfen war und wie meine kleinste Schwester (Sophie) aussah, bis zu den 2000ern, die Oma oft bei Reisen und eigentlich immer fröhlich angetroffen hatten. Mein Onkel Ebi hat aus den alten Alben meiner Oma mit viel Zeitaufwand eine solch anrührende Kollektion zusammengestellt. Sogar ihre Bildunterschriften hat er größtenteils übernommen und so hatten wir eine doppelt schöne Erinnerung mit Text und Bild, die noch mal die Trauer in uns aufsteigen ließ und uns vor Augen hielt, was wir verloren haben.

Und wieder einmal erkannten wir, wieviel Freundlichkeit, Liebe, Respekt und Fürsorge uns Oma Gertrud gegeben hat. Jedes Bild strahlte Freude und Kraft aus und jetzt kann man natürlich einwenden, dass oft in solch schönen Momenten die Bilder geknipst wurden (Fotos waren schließlich teuer), aber ich kann dagegenhalten, dass meine Oma sehr viele solcher schönen Momente erlebt und mit uns geteilt hat. Auf kamen wieder die Bilder von Weihnachten in Kleinmachnow – süße Kindheitserinnerungen für mich -, die alte Wohnungseinrichtung mit den markanten Küchenfliesen, die Wohnzimmerecke mit den Fotos der Verwandten, die teilweise schon lange nicht mehr lebten. All diese Bilder atmeten den Duft der Zeit. Friedlich, berührend und Hoffnung gebietend: Es gibt einen Ort, an dem wir unsere Oma immer wiedertreffen können. Dieser Ort heißt Erinnerung.

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2 Antworten to “ABABBAB – Trauer, Liebe, Hoffnung”

  1. Dietrich Says:

    Lange haben wir überlegt und auch diesen und jenen gefragt, wie wir die der Trauerfeier folgende Veranstaltung nennen sollten, aber außer umgangssprachlichen, teilweise derben Begriffen (neben „Leichenschmaus“ gibt’s ja auch noch „Seele versaufen“) konnten selbst studierte Germanisten nicht weiterhelfen.

    So haben wir uns für „Erinnerungsmahl“ entschieden …

    … und offensichtlich war es genau dieses.

  2. AAABABA – Mein Jahr 2009 « Täglich laufen Says:

    […] hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, […]

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