Tag 112 – 4 Gedanken zur Europawahl

Mensch, da vergeht die Zeit wie verrückt – zumindest scheint es mir so, als ob sie rennt, speziell seit ich den Countdown führe – und ich habe ganz vergessen, was zur Europawahl zu schreiben.

Die Wahl selbst hätte ich vorgestern auch fast vergessen: Da habe ich seit Wochen alle Bekannten animiert, doch zur Wahl zu gehen – auch wenn man nicht genau weiß, ob es etwas ändert – und dann hätte ich es beinahe selbst verschwitzt. Wir waren Sonntag vormittag sooooo gemütlich brunchen und als ich nach 5 Stunden frühstücken endlich aufgebrochen bin aus dem Friedrichshain, habe ich noch gedacht „Jetzt aber schnell zur Wahl!“, aber schwupp! als ich zu hause war, war schon der nächste Gedanke im Kopp. Zum Glück hatte ich mir für Sonntag auch noch vorgenommen, meinen Blog umziehen zu lassen und bin so eher zufällig auf die Startseite der ARD gelangt, die vom Ablauf der Europawahl sprach. Schwupps also ins Wahllokal und als 351. in der Grundschule „Elizabeth Shaw“ am U-Bahnhof Pankow das Kreuzchen gemacht. Und so kommen auch mal 4 Gedanken zusammen:

1) Der Wahlzettel ist zu lang

Ich denke schon, dass man für alle politische Strömungen eine Partei gebrauchen kann – mindestens ein Verein kann es doch sein! -, aber müssen die alle zur Europawahl antreten? Brauchen wir denn wirklich 30 Parteien – und 4 davon Rentnerparteien?

2) Die FDP und kein Ende vom Aufschwung

Immer wieder muss ich mit Kopfschütteln feststellen, wie eine große Menge auf die Krise reagiert. Sie wählen die FDP, die für die Liberalisierung der Märkte ist – was soviel bedeutet wie Laissez-faire – und die Bedingungen für die Besserverdiener deutlich verbessern will. Die haben es ja nötig.

3) „Gegen die EU“

… stand doch tatsächlich auf einem Wahlplakat der DKP für die Europawahl. Ich frage mich, ob sie ihren Sitz wahrgenommen hätten, wenn sie einen bekommen hätten.

4) „Da muss ich halt noch weniger schlafen“

Das soll der SPD-Kanzler-Kanditat F.-W. Steinmeier zu einem Vetrauten gesagt haben,  als er von dem Ergebnis gehört hat. Gemeint ist natürlich die Anstrengung für die Bundestagswahl, aber es zeugt schon von ziemlicher Blödheit, wenn unser Außenminister glaubt, die Wahlergebnisse der SPD hängen direkt mit seinem Schlafentzug zusammen und nicht mit einer verfehlten Politik.

In diesem Sinne: Schlafen Sie gut!

Advertisements

4 Antworten to “Tag 112 – 4 Gedanken zur Europawahl”

  1. Dietrich Says:

    Ich kann es ‚mal wieder nicht lassen …

    Vier Bemerkungen zur EU-Wahl sind zwar nicht schlecht, aber etwas tiefgründiger hatte ich es schon erwartet.

    Auf Anhieb fallen mir als mögliche Themen ein:
    – 4=2+2=2×2=2^2
    – 4: 4-Seitner und 4-Flächner (z.B. Quadrat und Tetraeder)
    – 4 Dimensionen der Raum-Zeit (—> Einstein)
    – 4-Farben-Problem („Landkarte“: Reichen vier Farben aus, um …)
    – 4 Elemente der „alten“ Griechen (Feuer, Wasser, Erde, Luft)

    Doch jetzt noch einige konkrete Bemerkungen:

    zu (1):
    Abgesehen davon, daß die Zersplitterung bestimmten politischen Kräften auch nutzt, frage ich, nach welchen Kriterien Parteien u.a. denn zugelassen werden sollen.
    Etwa: Wer zuerst kommt, ….?
    Oder: Nur eine Rentnerpartei, nur eine rechte Partei, nur eine sozialistische, nur eine kommunistische – und wer beurteilt das und wählt aus?
    Oder gar: Nur eine „christliche“ Partei (was mir persönlich bei CDU/CSU(PBC/CM/… nicht unsympathisch wäre)?

    (2)
    Politik (und auch Wahlverhalten) sind immer interessengebunden.
    Und leider stimmen (echte und erst recht vermeintliche) eigene Interessen mit den real notwendigen Konsequenzen heute bei uns (im „Casino-Kapitalismus“ – was man ja auch öffentlich wieder sagen „darf“) nicht immer überein …
    Auch wenn es überheblich klingt: siehe Einstein und die menschliche Dummheit.
    Die politischen Konkurrenten sollten dies künftig berücksichtigen, aber meine Hoffnungen sind da sehr beschränkt.

    (3)
    Lautete das Motto nicht „Gegen DIESE EU“?
    (Ich habe da so ein Bild im Unterbewußtsein.)

    (4)
    Was kann einen bei einer derart geschichtsvergessenen und von gnadenlosen, überwiegend auch traditionslosen Pragmatikern (Münte / Steinmeier / Wasserhövel / Heil / Platzeck / sächsischer Wirtschafts- (Jurk) und anhaltinischer Fiananzminister (Bullerjahn) / und ja auch: Wowereit) beherrschten Partei denn noch verwundern?
    Da hat ja selbst die FDP mehr Charakter …
    War der Steinmeier-Auftritt bei WILL nicht entlarvend genug?
    Aber auch hier gilt: Politik (und auch Wahlverhalten) … (siehe (2)).
    (In diesem Zusammenhang möchte ich auf die nachdenkseiten.de kritischer SPDler hinweisen, die immer für eine Anregung gut sind.)

    Ich freue mich auf die DREI.
    Ceterum censeo Eisen-Moritzem esse delendam par Stefanius!

  2. Dietrich Says:

    Es gibt häufig DEN Tropfen, der ein Faß zum Überlaufen bringt (früher hätte man in unseren Längengraden vom „Umschlagen quantitativer Veränderungen in …“ gesprochen):

    Heute morgen hörte ich von einem SPD-Experten (zugegeben: für Innenpolitik, aber dafür auch gleich innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion), daß er von einem Staat namens „Palau“ (—> Guantanomo) noch nichts gehört habe.

    Abgesehen von der öffentlichen Zur-Schau-Stellung eigenen Unwissens (oder gar Egomanie?) – denn ich erwarte von einem Bundesparlamentarier gleich welcher politischer Coleur, Spezialgebiete und Interessen wenigstens die Staaten dieser Erde zu kennen – möchte ich feststellen:
    Dies zur Kenntnis nehmend und das Auftreten dieses Volksvertreters auf abgeordnetenwatch.de betrachtend, möchte ich die Liste der gestern in (4) genannten Charakteristka einiger dominierender SPDler noch um die Eigenschaften ignorant, abgehoben, dummfrech („Palau“ = „Pan Tau“) und überhebllich („Der Vorschlag, eine Wahlpflicht einzuführen, ist Blödsinn. “ – Sind die Belgier wirklich „blöd“?) erweitern.
    (Quelle neben abegeordnetenwatch. de: ARD-Morgenmagazin vom 11.06.2009)

    Ach so – um wen es sich handelt?
    Nicht um Rumpelstilzchen (auch wenn er auf manchen so wirkt) sondern um: Dr. Dieter Wiefelspütz (SPD-MdB für Hamm – Unna II)

  3. Stefan Says:

    Hallo Papa,

    danke erst mal für die kritischen Kommentare – auch wenn ich mit der Themenauswahl ganz zufrieden bin 🙂

    Zum Thema DKP und die EU: Das Zitat stimmte wirklich nicht ganz, war aber schon in diesem Sinne. Der Spruch auf dem Werbeplaktat lautete „Nein zur EU“ (s. a. http://www.99woerter.de/images/dkp_plakat.jpg )

    Ansonsten ist es ja nicht zu fassen, was Hr. Wiefelspütz so von sich gibt. Da fällt mir nur noch Heinrich Lübke, damals Bundespräsident, ein, der die Frau des Präsidenten von Madagaskar mit „Sehr geehrte Frau Antananarivo“ begrüßte.
    abgeordnetenwatch.de kommt jedenfalls gleich mal in diese Lesezeichenleiste – neben bildblog.de

  4. AAABABA – Mein Jahr 2009 « Täglich laufen Says:

    […] hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s