Tag 61 – Pankeläufer

Ich bin mächtig stolz auf meine Neffen, und das aus zwei Gründen. Der erste ist ein sportlicher, der zweite ein moralischer.

Doch fangen wir von vorne an: Der Tag begann mit herrlichem Sonnenschein und so fuhren Hanka (die treue Laufbegleiterin) und ich, meine Neffen, Johann und Wieland, einsammeln, um zum Liepnitzsee zu fahren. An den Ufern des Sees, die Nonni und Pieli auch vom häufigen Baden im letzten Jahr gut kennen, fand der 60. Liepnitzseelauf statt. Für die Bernauer Lauffreunde Jubiläum und für uns Premiere. Wir drei hatten uns gemeinsam mehr oder weniger gründlich auf das Ereignis vorbereitet: Mit Läufen im Bürgerpark Pankow (Stammrunde) und entsprechend konnten wir als echte „Pankeläufer“ antreten. Die Aufregung stieg schon gehörig vor dem Start: kurze Sprints zum Warmmachen, Startnummern-Befestigung, Einreihen in die schieren Massen von Läufern (über 600 – mehr als Ützdorf Einwohner hat) und dann endlich – vom Piraten der Bernauer Lauffreunde – der heiß ersehnte Startschuss.

So begann also unsere Runde, 8 Kilometer um den See. Anfänglich liefen wir zu dritt noch gemeinsam, doch Wieland flitzte bald voraus – trotz der mahnenden Worte seines Onkels, es doch nicht zu schnell angehen zu lassen – ich hatte wirklich Sorge, dass er die Strecke in dem Tempo nicht durchhält. Johann und ich wacker hinterher und nachdem wir unser Lauftempo gefunden hatten, ging es auf angenehm weichen Waldwegen am glitzernden Wasser entlang. Über freiliegende Wurzeln, über Stock und Stein, durch Liepnitzstrandsand und – besonders im letzten Drittel – die steilen Anstiege am Ufer des Sees hinauf und hinunter. Eine unserer Mitläuferinnen meinte, sie wollte bei dem Lauf eigentlich gar nicht mitmachen, sondern in die andere Richtung um den See laufen – aber so vielen Läufern kann man sich einfach schlecht entgegenstellen.

Bravourös absolvierten also meine beiden größten Neffen die Runde und kamen – erschöpft aber sehr zufrieden – im Ziel an. Dort gab es Verpflegung – Krümeltee von den Lauffreunden, Pfirsichnektar und Kuchen von Hanka – und im Sonnenschein das Zuschauen bei der Siegerehrung. Bei dieser sollten dann Johann und Wieland kurz darauf selber im Mittelpunkt stehen, denn sie belegten beide in ihrer jeweiligen Altersklasse den zweiten Platz – lustigerweise hinter einem anderen Brüderpaar: Lasse und Tim Schille vom Team „Schwarzer Adler“. Nach entspannter Heimfahrt (bei der wir den Glücksengel von Hanka ordentlich malträtiert haben), gingen Katrin, Florian, Johann, Wieland und ich noch ins Café Nord, weil die Familie erst Samstag Nacht aus Radebeul wieder zurückgekehrt war und somit die Lebensmittel im Haushalt relativ überschaubar waren.

Dort wurde mir dann auch der zweite Grund, aus dem ich so stolz auf meine Neffen bin, berichtet: Sie hatten eine kleine Dummheit, nein, eher eine Unachtsamkeit begangen, indem sie zusammen mit ihrem Cousin auf dem Platz des Tennisclubs in Radebeul Frisbee gespielt hatten und damit – völlig ohne Absicht – den Boden des Platzes ziemlich durcheinandergebracht und zerwühlt hatten. Was sie nicht wissen konnten, war, dass der Jugendwart des Vereins den Platz extra für ein Turnier vorbereitet hatte – was viele Stunden Arbeit gekostet hatte. Jener „erwischte“ sie auch prompt beim Toben und hielt ihnen eine ordentliche Gardinenpredigt – zumal auf einem Schild stand, dass der Platz nicht ohne Aufforderung zu betreten sei. Statt aber nun eingeschnappt und wütend zu reagieren, entschuldigten sich die Kinder zunächst verbal und schrieben anschließend noch einen Entschuldigungsbrief an den Jugendwart. Das Rührendste fand ich, dass Johann noch die Festnetznummer aus der Schulstraße aufgeschrieben hat, damit sich der Jugendwart melden könne, wenn ein Schaden entstanden sei. Dieser meldete sich auch, war aber wohl auch so gerührt von den braven Kindern, dass er sich einfach nur für die Entschuldigung bedankte und ihnen einschärfte, das nächste mal doch bitte besser aufzupassen – die gedankenlose Toberei hatte ihn schließlich viereinhalb Stunden Arbeit gekostet.
Wenn ich immer die Klagen über die „heutige Jugend“ höre – Werte- und Sittenverfall, Unlust und Aufmüpfigkeit – bin ich froh, dass meine Neffen zeigen, dass es auch anders geht. Mit nur ein wenig Anstrengung mehr und großer Freude mehr.

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Eine Antwort to “Tag 61 – Pankeläufer”

  1. AAABABA – Mein Jahr 2009 « Täglich laufen Says:

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