AAABABA – Mein Jahr 2009

29. Dezember 2009 von 99woerter

Es war ein gutes, ein schönes Jahr mit vielen lustigen, fröhlichen, bewegenden, rührenden, sentimentalen, erschöpfenden, siegreichen, überraschenden Höhepunkten und Eindrücken. Ich kann gar nicht genug davon kriegen und so freue ich mich schon auf ein noch tolleres Jahr 2010.

Der Tiefpunkt dieses Jahres war der plötzliche Tod meiner Oma Gertrud und speziell dieses Foto erinnert mich an diesen 15. November, der so lächelnd, sonnig und sorgenfrei begann und so traurig endete. Aber, wie mein Papa bei Bertolt Brecht abgeschrieben hat: „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt“. In diesem Sinne wird meine Oma noch lange in uns weiterleben, in Gesprächen, Gedanken und in unseren Handlungen und Haltungen.

Was das Jahr für mich ansonsten zu bieten hatte, findet man am besten hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

AAABABB – Blitzer statt Böller

29. Dezember 2009 von 99woerter

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich habe kein eigenes Auto. Das heißt, um meine Punkte in Flensburg zu sammeln, muss ich mich entweder des Fahrrads bedienen oder auf fremde Autos zurückgreifen. Das hat bis jetzt in regelmäßigen 2-Jahres-Abständen geklappt, sodass ich seit ungefähr 6 Jahren in Flensburg als Verkehrsrowdy geführt werde – natürlich völlig übertriebenermaßen, wie ich finde.

Anfang des neuen Jahres laufen die Punkte aus und somit ist es nur verständlich, dass ich seit 2-3 Monaten zittere und bange, sobald ich mich hinters Lenkrad setze. Aber ich fahre nun mal so gerne Auto – speziell, wenn ich meine „Fünf Minuten“ habe :-) Und tatsächlich: Als ob die örtliche Polizei etwas von meinem persönlichen Wettkampf mit dem Kraftfahrtbundesamt wüsste, stellen sie einen unbemannten Fotoapparat nach dem anderen an den Strecken auf, auf denen ich langfahre. Keine Gelegenheit wird hier ausgelassen, das kleinste Kilometerchen wird erfasst, geblitzt, verwertet, belangt, vollstreckt.

Gut, ich bin nicht ganz unschuldig daran, dass ich in den letzten 3 Monaten (wahrscheinlich) 3 mal geblitzt wurde. Ich hätte mich auch an die Verkehrsregeln halten können, aber entweder stand ein wichtiger Termin an, bei dem ich zu einer bestimmten Zeit irgendwo sein musste (Tosca, Dresden) oder ich fuhr einfach nur mit dem Berliner Stadtverkehr und wer dort 50 fährt, wo es erlaubt ist, gilt schon als Verkehrshindernis.

Da diese Information anscheinend noch nicht zu den Polizisten durchgedrungen ist, haben sie mich heute in der 50er-Zone mit (geschätzten) 58 km/h geblitzt – die scheinen das Geld wirklich nötig zu haben. Dieser Blitzer ist allerdings nur ein wahrscheinlicher, weil es genauso gut den Transporter vor mir erwischt haben kann.

Aber ein was gutes hat die Sache: Ich bekomme ab und zu mal Post, muss nicht sooft zum Fotografen und ich fahre die nächsten 5 Minuten nach einem vollzogenen Blitzdingsen immer vorbildlich.

AAABBAA – Heimreise

29. Dezember 2009 von 99woerter

Die schönen Tage vergingen – wie immer – viel zu schnell und so mussten wir am Sonntag schon wieder „Leb wohl“ zu den Clarys in Arheilgen sagen. Ich begleitete meine Mama noch auf dem Weg nach Sachsen und wollte eigentlich zu unchristlicher Zeit am Montag früh (4:49 Uhr) den ersten Zug nach Berlin nehmen, um pünktlich auf Arbeit zu sein. Dieses Schicksal blieb mir zum Glück erspart, da wir so gut durch den Verkehr kamen, dass wir schon gegen 20:30 Uhr in Dresden am Hauptbahnhof waren, wo planmäßig um 20:53 Uhr der letzte Zug des Tages in Richtung Berlin abdüsen sollte.

Zeit also für eine schöne heiße Schokoloade von Marché (lecker, lecker), einen kurzen Abschiedskuss und noch mal kurz Winken bevor sich die Wege trennen. So war der Plan. Aber, wie Hanka in einem anderen Buch gelesen hat: „Wenn du Gott lächeln sehen willst, mach´einen Plan.“

Und so kam es natürlich anders als gedacht: Der Zug, der vor dem meinigen Richtung Berlin fahren sollte (beide kamen aus Prag) hatte einen „Personenschaden“ auf der tschechichen Seite und hatte somit „unbestimmte Zeit Verspätung“, wie es die Anzeigetafel 2,5 Stunden später immer noch ausdrückte. Da mein Zug dasselbe Gleis benutzen wollte, musste er sich zunächst hinter dem Unglückszug einordnen und bevor er vorbeirangiert werden konnte, verging ca. 1 Stunde, sodass ich erst kurz vor zehn ab Dresden abdampfte. Prompt fiel ich im Abteil in einen Dämmerschlaf mit merkwürdigen Träumen (fast wie Emil bei Erich Kästner) und kam einigermaßen gerädert kurz nach Mitternacht in Berlin am verwaisten Ostbahnhof an.

Müde, kaputt, aber glücklich angekommen, schlief ich mich in S- und U-Bahn nach Hause und fiel nur noch ins Bett. Ich hatte einigen Schlaf nachzuholen!

AAABBAB – Brendans Taufe

29. Dezember 2009 von 99woerter

Neben dem Weihnachtsfest stand noch ein weiteres großes Ereignis auf dem Programm für die letzen Dezembertage. Mein Neffe Brendan (der älteste von 4 Söhnen meiner Schwester) wurde am 27.12. in Darmstadt getauft. Bei den Mormonen, denen meine Schwester und ihre Familie angehört, ist es so, dass sich Kinder ab 8 Jahren taufen lassen können. Dies soll bewirken – soweit ich das einschätzen kann -, dass die Kinder sich des Ereignisses mehr bewusst werden und aktiv den Übergang zum Mitglied der Kirche vollführen. Den Übergang zum Glauben bekommen alle 4 Kinder quasi seit der Geburt mit, denn Anna und Familie führen zum Beispiel vor jedem Essen ein ausführliches Tischgebet aus und gehen auch jeden Sonntag (oder jedenfalls so oft sie können) in die Kirche.

Im Gegensatz zur evangelischen Kirche – wo ich dieses Jahr am 11.1. die Taufe von meinem Freund Alex miterleben durfte -, praktizieren die Mormonen die Ganzkörpertaufe, wie sie auch im neuen Testament beschrieben ist. Und obwohl ich eigentlich nicht an Gott, geschweige denn an eine Institution wie die Kirche, glaube, fand ich das Ritual doch sehr beeindruckend. Der Mensch taucht ein und taucht praktisch neu geboren aus dem Wasser wieder auf. Reingewaschen von seinen bisherigen Sünden. Obwohl unausweichlich weitere hinzukommen, klingt das erstmal nach einem verlockenden Angebot.

Besonders rührend war auch die Rede, die meine Schwester für Brendan gehalten hat. Der Inhalt war eigentlich recht einfach: Warum es den Glauben gibt; warum das Opfer Jesu so viel bedeutet, wie wir den körperlichen und geistigen Tod überwinden können.Aber das Schöne und Beindruckende war, wie sie es vorgetragen hat. Sie war zu Tränen gerührt, als sie ihren Sohn auf diese Reise geschickt hat und auch mir hat sie damit unwillkürlich feuchte Augen gemacht. Ich hoffe, dass Brendan Halt im Glauben, in der Tradition, in der Familie und letztendlich damit in sich selbst findet und seinen Weg im Leben gehen wird – so gut er es eben kann.

AAABBBA – Weihnachten in Familie

29. Dezember 2009 von 99woerter

Ich muss mich eilen! Das Jahr ist fast um und ich bin mit dem Bloggen im Rückstand. Und man soll ja nicht mit Schulden ins neue Jahr gehen. Vielleicht sollte ich auch in den Winterschlaf gehen, wie mein Lieblingsblog, aber ich will natürlich davon berichten, wie schön es bei meiner Schwester war und überhaupt, was sonst so passiert ist: Wir haben jeden Tag erst mit den Kindern gespielt (z. B. Tischtennis, mit der Ritterburg oder Bandolino) und dann abends die Erwachsenen (z. B. „Finden Sie Minden?“ oder „Dominion“). Zudem haben wir schöne Spaziergänge in der Umgebung gemacht und so vergingen die Tage wie im Fluge und da immer eine weihnachtliche CD im Player lag und wir auch zum Teil selbst musiziert haben, wurde es sehr schön feierlich.

Michaels Eltern konnten leider nicht kommen – irgendwie hat es dann doch nicht mit dem Flug aus Amerika nach Deutschland geklappt – und so feierten wir „nur“ zu sechst das Fest. Zwischendurch waren wir auch nur zu fünft – jedenfalls die, die feierten -, denn mein kleinster Neffe in Arheilgen (Tristan) ist krank geworden und lag den kompletten ersten Feiertag auf dem Sofa und hat nur vor sich hingestiert und keine Lust zu nix gehabt. Ab und zu musste er sich auch übergeben, aber da er trotzdem noch Appetit auf alles hatte, machten wir uns keine zu großen Sorgen. Am 2. Weihnachtsfeiertag sah er auch schon wieder wesentlich besser aus, lachte wieder und am 27.12. – unserem letzten Tag in Arheilgen -, war er wieder putzmunter und wie eh und je.

Jetzt bin ich mir gar nicht sicher, ob ich das alles nicht schon im letzten Beitrag erzählt habe – wenn ja, verzeiht mir bitte: Auch ich werde alt und vergesslich. Und mit weihnachtlichen Wünschen nach Harmonie, Friede und Einkehr beende ich diesen Artikel.

AAABBBB – Heiligabend

25. Dezember 2009 von 99woerter

Ein kurzer Artikel diesmal, weil ich gleich wieder runter muss zu meiner Schwester und Familie, um weiter zu spielen. Wir haben einen sehr schönen heiligen Abend verbracht und – etwas ungewohnt – die Geschenke erst am 1. Weihnachtsfeiertag verteilt. Ich fand es aber ganz schön so, weil mir das zum einen noch Gelegenheit gegeben hat, die letzten Gutscheine auszudrucken (dieses Jahr bin ich mit den Geschenken einfach nicht hinterhergekommen) und die letzten Sachen einzupacken. Außerdem hatten wir so den heiligen Abend in Ruhe zum Vorbereiten (Kochen, Geschenke unterm Baum verteilen und natürlich: Spielen, Spielen, Spielen).

Ich weiß nicht, ob es schon durchgeklungen ist, aber meine Familie spielt äußerst gern Gesellschaftsspiele und da fügt sich mein Schwager Michael gut ein. Wenn die Kinder im Bett sind, legen wir los, aktuell mit Cardcarcasonne (ein Kartenspiel vom Carcassone-Erfinder Klaus-Jürgen Wrede) und dem Spiel des Jahres 2009: Dominio. Da Knabbereien und Leckerlis dabei nicht fehlen (M&Ms sind wie immer der Renner), bin ich ganz froh, dass ich meinen Streak weiterhin durchhalte und so wenigstens ein paar Gramm, die vom vielen Spielen auf die Rippen gekommen sind, wieder abtrainieren kann.

Einziger Wermutstropfen am Weihnachtsfest ist, dass Tristan – mein jüngster Neffe in Darmstadt – heute krank geworden ist: Fieber, Übergeben, Müdigkeit. Alles ist dabei und er sieht wirklich wie ein kleines Häufchen Elend aus, wenn er so eingepackt auf dem Sofa liegt. Ich hoffe, dass es morgen schon wieder besser geht. Zumindest sein Appetit ist noch da und auch, wenn er kaum etwas drin behält, so isst er doch mit uns.

AABAAAA – Schweinegrippe ist nur Dritte

22. Dezember 2009 von 99woerter

Ich bin wirklich überrascht: Die Schweinegrippe hat es beim Wort des Jahres nur auf Platz 3 geschafft. Dabei war ich mir ziemlich sicher, dass ich in diesem Jahr kein Wort öfter in den Schlagzeilen gesehen und gehört habe. Speziell die BILD-Zeitung ist daran nicht unschuldig.

Und was hat es gebracht, die Panikmache? Nun mir persönlich hat es immerhin gebracht, dass ich an der Grippe nicht erkrankt bin. Was ich aber wahrscheinlich auch ohne täglich 30 Meldungen über die Schweinegrippe gewesen wäre. Überraschenderweise soll Anfang des nächsten Jahres eine Untersuchung eingeleitet werden, ob die Pharmaindustrie bei der Berichterstattung und Einschätzung der Lage ihre Hände im Spiel hatte. Und auch wenn es speziell bei der Pharmaindustrie kaum etwas gibt, dass ich den Managern und „Lenkern“ nicht zutraue – so sieht es doch in diesem Fall ein Blinder mit Krückstock, wie grob hier die öffentliche Meinung manipuliert wurde.

Fast wie in „Wag the dog“ kann man diesen Fall dafür nehmen, wie einfach es ist, Ängste und Sorgen quasi aus dem Nichts zu erschaffen und laut Michael Moores Dokumentationen ist das genau die Art, mit Hilfe derer die Regierung Bush von 2001 bis 2009 ihre Bürger unter Kontrolle hielt. Bleibt nur die Frage, ob dies mit Obama denn tatsächlich anders geworden ist. So schnell sich die Köpfe an der Spitze einer Regierung austauschen, so sind doch viele Mitarbeiter und Informationslieferanten noch die gleichen – aber wenigstens redet Barack Obama von „hope“ statt von „threat“.

Ach ja: Wort des Jahres ist übrigens „Abwrackprämie“ geworden. Die gab´s ja auch noch 2009.

AABAAAB – 50 km vor dem Jahreswechsel

22. Dezember 2009 von 99woerter

Im ersten Teil dieser Woche geht es Schlag auf Schlag: Montag Weihnachtsmarkt (eine Tradition, die sich aus einer Reise mit Liana und Monique auf den Dresdener Striezelmarkt gebildet hatte), Dienstag Papa und Familie, Mittwoch Fahrt nach Darmstadt, Donnerstag Ruhe. Na gut, mit vier Kindern im Hause meiner Schwester wird es wahrscheinlich auch nicht „ruhig“ im wörtlichen Sinne, aber ich freue mich, sie alle wiederzusehen und einfach zu entspannen.

Mit einem so vollgepackten Kalender ist es tatsächlich schwierig, seinen Streak noch irgendwo unterzubringen, aber auch gestern hat es zwischen Glühwein, Krapfen und In Dulci Jubilo noch geklappt, zweieinhalb Kilometer zu drehen. Somit bleiben in diesem Jahr noch 10 Tage und 50 Kilometer bis zur magischen Grenze von 3.000 Kilometer. Die 2.000 Meilen (ca. 3.200 km) habe ich zwar so nicht geschafft, aber so habe ich noch ein Ziel für das nächste Jahr und ich denke, da könnte am Ende auch eine 4 vor der Zahl am Ende des Jahres stehen. Ich halte euch – wie immer – auf dem Laufenden.

AABAABA – Kältester Doppeldecker für mich

21. Dezember 2009 von 99woerter

Pünktlich um 13 Uhr stand Hanka im Park am Prenzlauer Berg bereit und ich war wirklich froh, als ich mir mit klammen Fingern die Medaille, Urkunde und eine Weihnachtstasse gesichert hatte, dass ich sofort ins noch warme Auto steigen konnte. Ziel war Hamburg und passenderweise wollten wir in die „Colorline-Arena“ – die Heimat der Hamburger Kühlschränke. Wir hatten uns mit Mario Barth verabredet, der auch in der Stadt war und eine Show von seinem Programm „Männer sind peinlich – Frauen manchmal auch“ zum Besten gab. Ein wenig Sorge hatten wir, weil in Berlin und Brandenburg die Schulferien losgegangen waren, aber bis auf eine allgemeine Müdigkeit und Unkonzentriertheit, die uns beide umfing, gab es auf der Autofahrt keine Probleme.

In Hamburg selbst fanden wir dank Navi – auch wenn dieses einige merkwürdige Anweisungen gab – sofort zum A&O-Hostel, eine quasi-Jugendherberge, und bezogen unser Zimmer. Nicht viel Zeit zum Auspacken, denn wir wollten eigentlich vor Mario Barth noch was schnabullieren. Als wir dann jedoch die Menschenmassse, die sich 75 Minuten vor Beginn der Show vor der Arena gebildet hatte, sahen und daran dachten, dass es „freie Platzwahl“ war, trafen wir kurzfristig die Entscheidung, einfach später essen zu gehen. So brachten wir noch die Wartezeit rum – zum Beispiel mit dem alte „Leute-Beobachten-Spiel“ – und schauten uns das Programm an. Es war ganz gut gemacht und wir mussten an einigen Stellen herzhaft lachen. Nach dem Auftritt hieß es allerdings fast unmittelbar: Wo gibt´s hier was zu essen?

Da die Colorline-Arena etwas ab vom Schuss liegt, wurden wir erst am Hauptbahnhof fündig, dafür war es aber auch ein sehr leckeres Restaurant. Kurz gesnackt (nach mehr kam es mir nicht vor – irgendwie habe ich in letzter Zeit ständig Hunger) und dann durch die klirrende Kälte zurück zum Hostel – schließlich war auch der morgige Tag schon randvoll mit Terminen.

Es stand nämlich noch ein Marathon an. Christian Hottas führte einen seiner Läufe an den Teichwiesen durch und ich nutzte die Gelegenheit um einen (wirklich) allerletzten langen Lauf in diesem Jahr zu machen. Wir mussten uns ein wenig beeilen, aber schafften es noch mit Frühstück, zu 9 Uhr an den Teichwiesen in Volksdorf zu sein. Und es war wie bei einem dejavu: Eine weiße Landschaft, ein paar unerschrockene Läufer und eine lange Strecke vor uns. All das hatte ich doch schon mal am Vortag gesehen…

Neben Christian waren Peter, Peter und Peter erschienen. Da ich mir die Starterliste nicht abfotografiert habe, kann ich leider keine Nachnamen zuordnen – Vornamen sind in diesem Fall aber auch wesentlich einfacher zu merken. Eine halbe Stunde später dann der Start und obwohl es die ersten anderthalb Runden ein wenig wacklig ging, wurde ich doch nach und nach souveräner und schaffte einen ganz lockeren Schritt. Der Schnee dämpfte die Schritte wieder sehr schön, sodass das Laufen echt angenehm war. Zudem hat die Teichwiesen-Strecke kaum Höhenmeter und bietet mit ihrem Panorama und den lichtdurchfluteten Bäumen ein noch schöneres Parameter als der Volkspark Prenzlauer Berg im Winter.

Das Tempo konnte ich sehr konstant halten, sodass ich pünktlich kurz vor 14 Uhr das Ziel erreichte (6 Minuten schneller als gestern) und wir uns beim Griechen in der Nähe erst mal ordentlich stärken konnten. Mit -11 Grad war der Kurs heute nicht viel wärmer als gestern und so kann ich sagen, dass ich die beiden kältesten Marathons, die ich je gelaufen bin, an einem Wochenende durchgeführt habe.

AABAABB – Kältester Marathon für mich

21. Dezember 2009 von 99woerter

Ein Wochenende mit läuferischen Höhepunkten liegt hinter mir. Genau genommen sind diese Höhepunkte eigentlich Tiefpunkte – auf der Temperaturskala. Der Winter ist in Deutschland eingebrochen und hat Berlin nicht nur weiße Straßen und Parks beschert, sondern auch Temperaturen von -15 Grad. In Worten: minusfünfzehn!!!

Unerschrocken und bibbernd bin ich somit am Samstag morgen am S-Bahnhof Landsberger Allee ausgestiegen und dachte mir einmal mehr: „Jetzt könntest du im kuschlig warmen Bett liegen. Oder zumindest mit einem schönen Buch und einer Tasse heißen Kakao auf dem Sofa. Du könntest so ziemlich alles im Warmen machen, anstatt hier mit den Zähnen zu klappern.“ Aber diese destruktiven Gedanken ließen relativ schnell von mir ab und spätestens, als ich bei Sigrid war und die alten Haudegen Felix Kainz und Klaus-Peter Ulmschneider begrüßen konnte, war ich wieder voll motiviert den Brocken in Berlin in Angriff zu nehmen.

Jobs von Palombini stieß auch noch dazu, zog es allerdings, im Gegensatz zu uns, vor, zum Start zu joggen, sodass wir uns dort wiedertrafen, wo schon ein treuer Helfer – gut eingepackt – stand. Eike war es diesmal, der aufpasste, dass jeder Läufer lächelnd nach der Runde vorbeikommt und so signalisiert: Geht noch! Und aus meiner Sicht hatte Eike heute den härtesten Job, denn wir konnten uns wenigstens bewegen, damit uns nicht kalt wird. Ecki Broy und ein Freund von ihm (der schnelle Christian – Sieger der M30 vor 3 Jahren in Biel!) stießen noch dazu und auch Michael und Frank kamen noch, sodass wir – zumal bei den arktischen Temperaturen – ein ganz stattliches Feld bildeten.

Etwas verspätet fiel dann gegen 8:36 Uhr der Startschuss und wir wurden auf die wunderschöne Runde entlassen. Die Runde ist bei Schneewetter sogar noch hübscher als ohne, denn man hat zwischendurch beinahe das Gefühl, durch einen Winterwald zu laufen. Der Schnee knirscht unter den Schuhsohlen, das Gesicht friert nach und nach ein (viele hatten kleine Eiszapfen am Bart oder an den Wimpern) und die Beine schreien nach Wärme. Das Beeindruckendste fand ich vor, als ich zum zweiten Mal zum Getränkestand kam: Die Cola im Becher war eingefroren, sodass wir erst mit Tee aus der Thermoskanne nachhelfen mussten, damit sich das Gebräu wieder trinken ließ.

Aber ich muss zugeben: das ganze klingt schlimmer als es ist. Ich hatte mich sehr schnell an die niedrigen Temperaturen gewöhnt und als es soweit war, wurde es ein wunderschöner Lauf mit vielen Tappsen im Schnee.